Kleine Entdeckungen

Kunst und Tanz im Hinterhof

Kastanienallee, zwischen den Hausnummern 78 und 79. Ein offenes Tor mit verrosteten Gitterstäben.

Tausend verwirrende Plakate an der Hauswand. Sollte man nicht lieber vorbeigehen? Ein Blick in den ersten Hinterhof - und man weiß, es lohnt sich, genauer hinzusehen. Hohe alte Häuser, grüne Ranken an den Wänden. "Flugreisende und Selbstfahrer" steht hoch oben an einer Brandwand zu lesen. Auf einem Brett über der Toreinfahrt balancieren zwölf Holzfiguren. Es scheint, als ob sie flüchten wollten. Denn der letzte schlüpft aus einem Loch in der Wand.

Auf den Backsteinfassaden im zweiten Hinterhof sind Porträts zu sehen. Blumentöpfe stehen in einer Ecke. Alte Stahlträger ziehen sich von einem Haus zum anderen. "Eine sogenannte Katze", erklärt ein junger Mann. "Damit hat man früher schwere Lasten transportiert." Kugellager sollen an diesem Hof hergestellt worden sein, sagt er. Lange vor seiner Zeit. Aus geöffneten Fenstern in den oberen Etagen klingt Musik. Dort liegen die Säle der "Dock 11"-Studios, in denen Tänzer proben. Der Blick in den Hausflur zeigt ursprüngliches, wildes Prenzlauer Berg: unsaniert, mit ausgetretenen Stufen und unverputzten Wänden. Dazu ein fast blinder, großer Spiegel und ein staubiger Kronleuchter an der Decke, auf der Etage der Studio-Räume.

Der Theatersaal von Dock 11 ist in einem anderen Gebäude, ebenerdig, vom Hof aus zugänglich. Ganz am Ende des zweiten Hinterhofs entdeckt man einen schwarzen Grabstein für Fritz und Helene Glaser. Er soll einem Bewohner gehören, erzählt der junge Mann.