Kleine Entdeckungen

Ewige Liebe und Schlösser

"Kennt ihr die Weidendammer Brücke?", fragt Erich Kästner in seinem Kinderbuch "Pünktchen und Anton" und schwärmt: "Berlin ist schön, hier besonders, an dieser Brücke, und abends am meisten!"

Begeistert von dieser Stimmung, hat er hier prompt eine Schlüsselszene platziert. Fabrikantentochter Pünktchen wird zur Bettlerin: als Freundschaftsbeweis zu Anton, dem Kind aus armem Hause.

Ein leiser Hauch von Poesie ist es, der diese denkmalgeschützte Brücke mit dem malerischen Blick auf die Museumsinsel so besonders macht. Das spürte auch Theodor Fontane, der sich 1845 hier mit seiner späteren Ehefrau Emilie Rouanet-Kummer verlobte. Die wahren Romantiker haben dort ein neues Ritual für sich entdeckt: Auf der Brückenmitte, am Geländer, kramen Liebespärchen mitgebrachte Vorhängeschlösser hervor, darauf ihre eingravierten Namen. Am schmiedeeisernen Adler mit der Kaiserkrone befestigt, den Schlüssel in die Fluten versenkt: so sieht der Liebesschwur aus. Für immer zusammen. Ein inzwischen weltweit verbreiteter, aber bei Behörden mancherorts unbeliebter Brauch, dessen Ursprung in Italien vermutet wird. Spätestens seit dem 2005 erschienenen Bestseller-Roman "Drei Meter über dem Himmel" von Federico Moccia, dessen Verfilmung nun sichtlich Kultstatus erlangt hat.