Horrmanns Gourmetspitzen

Manisch attraktiv

Heinz Horrmann besucht das als "Szenerestaurant des Jahres" nominierte Mani Restaurant

Die Berlin-Partner-Aktion "Meisterköche" wird in diesem Jahr erstmals um die Kategorie "Szenerestaurant" erweitert. Und zu den Nominierten gehört das Mani Restaurant an der Torstraße. Ich gestehe, ich kannte dieses Lokal nicht einmal. Darum war es jetzt höchste Zeit für einen Test-Besuch.

Um das Fazit vorweg zu nehmen: Nicht nur die Atmosphäre - auch die Küche hat mich überzeugt. Wie so häufig stachen besonders die Vorspeisen heraus. Als "Chuzpeles, kleine Schweinereien" stehen sie auf der Karte. Zu den Mini-Preisen (vier bis zehn Euro) rechneten wir mit winzigen Portionen und wurden positiv überrascht.

Der Gast wird angeregt, zu kombinieren. Dabei stellt sich eine wunderbare Vielfalt ein. Der Rosmarin-Fenchel mit Pistazien und Tomate, die Aubergine mit Crème Fraîche oder die Roquefort-Tarte mit köstlich gewürztem Staudensellerie, Wacholder und Rhabarber - das war alles sehr gut. Und bei dieser Zusammenstellung hätte ich mir vorher nicht einmal vorstellen können, wie genussvoll hier das Zusammenspiel der Aromen sein würde. Das war keine Momentaufnahme. Und so ging es weiter mit den gerösteten Calamaretti, kombiniert mit gebratenen Wachteleiern, Mayonnaise sowie Salzwassergarnelen, kräftig gewürzt mit Nicoise-Oliven.

Leicht und bekömmlich

Wohlgemerkt, wir sind immer noch in der Abteilung Vorspeisen. Mir schmeckten ganz besonders gut die Kopfsalatherzen im Trüffelduft mit Kerbel und Pancetta, kross ausgebraten. Für die Freunde besonderer Lammgerichte kombiniert die Küche eine Probierportion Rippchen mit Brombeere und Lammpatties mit Zimt, Tomate und Minze (was für eine unerwartete Zusammenstellung). Lammpatties sind übrigens gegrillte Pastetchen. Als Zwischengang bietet sich noch mal vegetarisch an. Umwerfend die Rote Bete mit Johannisbeeren, Walnuss und Basilikumkresse oder die geröstete Aubergine mit einem Hauch von Thymian, Orangen und etwas Ziegenkäse. Alles ist so leicht und bekömmlich, dass sich da durchaus Deftiges bei den Hauptspeisen anbietet. So wie die Variationen vom Schwein mit Gurken, Aprikose und Hummerbutter beispielsweise, das stubenkükengroße Zwerghühnchen in Buttermilch mit Linsenpüree und gewürzt mit Zitronenthymian oder das Kalbskarree, günstig kalkuliert mit 22 Euro für 260 Gramm. Der angeröstete Knochen ist hier natürlich ein Aromaträger. Welch ein Unterschied zum eher langweiligen Kalbsfilet.

Glanz im Zentrum des Fischs

Ein wenig dünn ist das Fisch-Angebot. Ein einziges Gericht steht auf der Karte, das ist eindeutig zu wenig. Allerdings, das möchte ich betonen, war der weiße Heilbutt mit Lavendel-Möhrchen, jungen Erbsen und Buchweizen köstlich, nah am Sterneniveau. Es ist immer schade, wenn der Fisch übergart, oder, wie ich es nenne, tot gebraten ist. Hier gab es noch den leicht glasigen Glanz im Zentrum der Fisch-Schnitte. Perfekt, Kompliment.

Mich interessierte das rustikale Paradegericht, der Foiegrasburger, der mit den preiswerten Sommertrüffeln offeriert wird, die allerdings auch deutlich weniger Aroma haben als der teurere Wintertrüffel. Was da zwischen zwei Deckel von angerösteten Semmeln gepackt war, entsprach genau meinen Vorstellungen. Erstens ein guter Viertelpfünder von erstklassigem, mageren Beef, und darauf dann zweitens eine kleine Scheibe sehr ordentlich gebratene Gänseleber. Ohne Trüffelspäne ist der Burger mit 17,50 Euro kalkuliert, mit ihnen kostet er 22 Euro. Da kann man nicht meckern. Wer ausschließlich die (in den USA inzwischen umstrittene) Gänseleber in der Pfanne gebraten genießen möchte, bekommt sie mit der notwendigen Säure, nämlich mit Aprikose, serviert.

Bei den Gerichten, wo die Beilagen nicht extra aufgeführt sind, werden sie zusätzlich berechnet. Jeweils mit vier Euro, wie das Kartoffel-Limonenpüree, das Tagesgemüse, der grüne Salat mit sehr herzhafter Dijonsenf-Vinaigrette oder die Portion Pfifferlinge (bei denen jetzt die Saison beginnt).

Als Dips bietet die Küche eine sehr harmonische Tomatenmarmelade oder eine Sauce Béarnaise, der aber die Estragon-Essig-Säure fehlte. Mir machte das nicht viel aus. Doch das Dessert-Angebot des Mani Restaurants ist für Freunde des Süßen sehr bescheiden. Bei unserem Besuch gab es nur entweder Crème Brûlée mit Sternanis und Stachelbeere oder Limonen-Butterscotch-Eis mit Fruchtsalat und jungen Kräutern.

Ein Wort zum Service: Der Restaurantleiter bedient selbst und absolut gekonnt und angenehm. Bei allem Druck, den er als "Alleinunterhalter" hat, bleibt er stets entspannt und freundlich, hat an jedem Tisch einen Spruch parat, flachst ebenso launig wie er präzise die Gerichte erklärt. Richtig gut macht er das.

Die Weinkarte ist klein, nicht besonders hervorzuheben, aber gästefreundlich kalkuliert. Ich wählte einen Chablis Première Cru für durchaus vertretbare 42 Euro. Unter dem Strich ergibt sich in der Summe aller Dinge eine positive Bilanz. Diese Adresse, die für mich im Verborgenen lag, sich aber als Treffpunkt der Modebranche entpuppte, hat es verdient, als Szenerestaurant ausgezeichnet zu werden.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

Mani Restaurant Torstraße 136, Mitte, Mo.-Fr. 12-15 Uhr, Di.-Sbd. 19-24 Uhr, Tel. 16 36 35 94 64, www.hotel-mani.com