Kino

Frauen lernen männliches Verhalten: "Man for a Day"

Der Film beginnt unbeabsichtigt mit einem der Aufregerthemen dieser Tage, einer Beschneidung.

Einem erst einige Tage alten Knaben wird in einem jüdischen Ritual die Vorhaut entfernt. Doch davon handelt der Film gar nicht, "A Man for a Day" betrachtet die Frage nach dem Mannsein aus weiblicher Sicht.

Denn die geschlechtliche Identität ist, so die amerikanische Performance-Künstlerin und Gender-Aktivistin Diane Torr, wie jede Identität ein Konstrukt und kann erlernt und verändert werden.

Wie man zum Mann wird, mit Kleidung und Körpersprache, das bringt sie seit Ende der Achtziger Jahre in New York und anderswo Frauen bei. Beim einwöchigen Workshop in Berlin haben sich einige auf das Experiment einlassen und Dokumentarfilmerin Katarina Peters hat dabei beobachtet. Das Ziel: Am Ende der Woche auf die Straße zu gehen und nicht mehr als Frau, sondern als Mann wahrgenommen zu werden. Ein Spiel, das den Teilnehmerinnen helfen soll, später im Alltag gewisse Rollenmuster zu überwinden und das eigene Repertoire zu erweitern. "Wir sind alle Schauspieler im eigenen Leben", sagt Torr.

Die Frauen sind aus ganz unterschiedlichen Gründen gekommen, wollen sich im männerdominierten Beruf besser durchsetzen oder den allein zu erziehenden Söhnen auch väterliche Vorbilder geben, eine andere will nur verstehen "wie Männer so ticken". Und dann lernen sie, was neben der Kleidung einen Mann zum Mann macht: weniger lächeln, weniger nicken, den Boden betreten, als ob er einem gehört. Auch äußerlich verändern sie sich, da werden Bartstoppeln angeklebt und mit Watte gefüllte Präservative als Penisprothese in die Unterhose gesteckt.

Und Torr schickt sie nach draußen, Männer beobachten, wie sie gehen, wie sie rauchen, sich im Alltag verhalten. Denn nur durch genaues Beobachten eines bestimmten Typen kann frau ihn auch authentisch nachahmen. Ganze Biografien müssen sie sich für ihre Rollen ausdenken und so wird aus der Singlemutter Theresa schließlich Walter, der Klimafolgenforscher und Susann, die schon mal Miss Spreewald war, kommt als Hip Hopper Andreas nach Hause, was die Eltern nur kurz amüsant finden.

Es ist faszinierend, mit wie wenigen Mitteln diese Transformationen funktionieren. Am Ende besucht Petersen die Teilnehmerinnen einige Monate nach dem Workshop und man sieht: es hat Spuren hinterlassen, bei jeder auf ihre Weise. Und wenn es nur darum geht, sich bewusst zu sein, dass jeder eine Rolle spielt, ob als Frau oder Mann.

Doku: D/GB/FIN 2012 , 96 Min.,von Katarina Peters, mit Susann Schönborn, Eva-Marie Torhorst, Tal Peer, Theresa Theune, Rosa Maria Dos Santos