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Zocken und Wetten

Lady Vegas: Stephen Frears verfilmt die wahre Geschichte einer Stripperin, die im Glückspiel-Mekka ihr Glück macht

Sports Books sind die stillen Ecken des Glücksspiels. Sports Books, so heißen in den Casinos von Las Vegas die Wettbars, die stets irgendwo am Hinterausgang sind. Da wo Menschen einsam in langen Reihen nebeneinander sitzen und abwechselnd auf ihre Wettzettel starren und die großen Bildschirme an der Wand. Pferderennen laufen da vor allem, 24 Stunden am Tag, ohne Ton. Ganz ruhig ist es in den Sport Books, anders als überall sonst im Casino. Die meisten Sportwetter in Las Vegas sind Rentner, die nur ein paar Dollars ihrer Pension riskieren. Sports Books sind Orte voll Langmut, letztlich Langeweile.

Wer käme auf die Idee, über diese Szenerie einen Film zu machen? Und was sollte man in dem zeigen? Schweigende Menschen vor Wettzetteln?

Zum Glück gibt es ja noch ein paar Profizocker, die etwas dickeren Fische, die sich ihre eigenen Sports Books eingerichtet haben: ein paar Fernseher, Computer und Telefone, hastig in billige Büroräume gestellt, irgendwo in den Nebenstraßen von Las Vegas, ganz nah und doch so fern von der neonbunten Welt der Casinos am Strip. Die Profizocker könnten heutzutage von überall aus ihre Wetten platzieren, nach der Mathematik des Glücks suchen, nach einem System, das den Zufall besiegt. Und doch bleiben sie in Vegas, der Stadt der Verheißungen, sie schreien in Telefone und brüllen verzweifelt die Bildschirme an, auf das ihre Pferde schneller rennen.

Ja, das könnte schäbig genug sein für einen Film über das Warten aufs Glück. Das auch bei den Profizockern nie ganz groß ausfällt, weil auch ihre Einsätze zu klein sind. Gewinnen tut letztlich immer die Bank.

Einen solchen Film aber wollte der britische Regie-Altmeister Stephen Frears nicht machen. Er will, nach dem Drehbuch von D.V. DeVincentis, in "Lady Vegas" eine klassisch amerikanische Aufstiegsgeschichte erzählen.

Die handelt von der Aushilfsstripperin Beth Raymer, die nach Las Vegas kommt, um Aushilfskellnerin zu werden. Stattdessen wird sie eine erfolgreiche Buchmacherin, weil sie einen dieser Profizocker trifft, der in ihr ein ungeahntes Talent entdeckt, eines für Zahlen und Kopfrechnen.

Die Geschichte Beth Raymers ist wahr, und sie endete damit, dass aus der erfolgreichen Buchmacherin dann auch noch eine erfolgreiche Autorin wurde. Diesen Schluss aber haben sich Frears und DeVincentis gespart, er klingt auch wirklich ein bisschen konstruiert. Das echte Leben produziert ja manchmal die unwahrscheinlichsten Geschichten. Die aber besitzen nicht unbedingt eine spannende Dramaturgie, einen höheren Sinn und Überbau, eine Moral von der Geschichte. Das echte Leben passiert halt.

Deshalb taugt es auch nur bedingt für einen Film. Und deshalb mühen sich in "Lady Vegas" Bruce Willis und Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn und vor allem die Hauptdarstellerin Rebecca Hall eher vergeblich, der wahren Geschichte von Beth Raymer auf der Leinwand echtes Leben einzuhauchen. Dass man Hall, die einer britischen Schauspielfamilie entstammt, jederzeit das amerikanische White-Trash-Girl abnimmt, ist zwar eine beachtliche Leistung. Doch was nützt es, wenn die Figur, die sie spielt, nichts wirklich Spannendes, wirklich Lustiges, wirklich Erhebliches erlebt. Dieser Film passiert halt.

Am Ende hat man ein paar schöne Szenen zwischen Hall und Willis gesehen, der einen desillusionierten Profizocker spielt, der sich entscheiden muss zwischen väterlichen und weniger unschuldigen Gefühlen für sein junges Protegé. Man hat eine Zeta-Jones gesehen, die als Ehedrachen des Profizockers etwas arg viel Temperament verschwendet, und einen Vaughn, der eine typische Vaughn-Figur verkörpert, also eine windige. Das war's.

Über das Streben nach Glück, das in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zum Menschenrecht erhoben wurde und dies Land ja letztlich zusammenhält, in guten wie in schlechteren Zeiten wie heute, erfährt man in "Lady Vegas" so wenig wie über das Scheitern. Auch das kleine Glück der Rentner hat Stephen Frears in Las Vegas nicht gefunden. Bloß eine Frau, die eben weniger Pech hatte als andere.

Komödie: USA/GB 2012, 94 Min.,von Stephen Frears, mit Bruce Willis, Rebecca Hall, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn

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