Kino

Noch eine Braut, die sich nicht traut: "Fast verheiratet"

Violet Barnes ist Expertin im Belohnungsaufschub.

Die promovierte Psychologin forscht derart erfolgreich zu diesem Thema, dass sie bald auch privat sehr viel mehr Erfahrungen zum Thema Verschieben und Verzögern sammelt als ihr und vor allem ihrem Verlobten lieb ist. Dabei hat alles ganz romantisch, wenn auch leicht chaotisch begonnen. Tom (Jason Segel) hat Violet (Emily Blunt) vor San Franciscos Golden Gate Brücke einen Heiratsantrag gemacht und sie hat freudig ja gesagt.

Doch aus der Hochzeit wird zunächst nichts. Violet bekommt ein Angebot, zwei Jahre an der Universität in Michigan zu forschen, für das Tom seine Stelle als Koch eines Edelrestaurants aufgibt und mit ihr in die Provinz zieht. Da gibt es für ihn zwar keinen adäquaten Job und er verkauft Sandwiches in einem Deli, aber ist ja nur vorübergehend. Aber dann wird Violet befördert und ihr Chef (Rhys Ifans, derzeit auch als Wissenschaftler und Bösewicht im neuen "Spider-Man"), freut sich nicht nur rein professionell, dass sie ihm "ein paar weitere Jahre" erhalten bleibt.

Während die Frau Karriere macht, vertreibt sich Tom mit merkwürdigen Hobbys die Zeit und lässt sich gehen. Und die Hochzeit wird ein ums andere Mal verschoben. Wie lange sich das hinzieht, ist im Originaltitel "Five-Year Engagement" sehr viel deutlicher umrissen. Und bisweilen braucht man auch in diesen 124 Filmminuten ein wenig Geduld bis zum nächsten gelungenen Gag.

Doch Regisseur Nicholas Stoller und Hauptdarsteller Jason Segel, die nach "Nie wieder Sex mit der Ex" und "Männertrip" bereits zum dritten Mal zusammenarbeiten und auch das Drehbuch geschrieben haben, gelingt trotz mancher Zotigkeit ein für Hollywoodkomödien erstaunlich realistisches Bild von den Herausforderungen moderner Beziehungen in einer Arbeitswelt, die von allen größtmögliche Flexibilität verlangt.

Vor allem die Sinnkrise des Selbstbildes als Mann vom arg gebeutelten Tom, der von Wollpullistricken bis Auf-die-Jagd-Gehen nichts unversucht lässt, ist immer wieder rasend komisch. Dem amerikanischen Publikum war das allerdings offensichtlich für eine Romantikkomödie eine Spur zu lebensnah: an der US-Kinokasse floppte der Film.

Komödie: USA 2012, 124 Min., von Nicholas Stoller, mit Emily Blunt, Jason Segel, Alison Brie, Rhys Ifans, Chris Pratt

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