Kino

Ziemlich behinderte Freunde: "Hasta La Vista"

Die Freunde Philip, Lars und Jozef haben einen Traum: Sie wollen zum ersten Mal ohne ihre Eltern in Urlaub fahren - und endlich Sex haben.

Das ist nun wirklich nichts Neues. Diese Ausgangssituation kennt man aus unzähligen Teenie-Klamotten. Allerdings nicht in dieser Personenkonstellation: Philip ist nämlich spastisch gelähmt, Jozef blind und Lars todkrank.

Dass man "Hasta La Vista" automatisch mit klamottiger Mainstream-Kinoware vergleicht, kommt nicht von ungefähr: Der belgische Regisseur Geoffrey Enthoven nähert sich dem Tabuthema Sex und Behinderung nicht mit aufrüttelnden, drastischen Bildern, sondern mit den erprobten Mitteln der Komödienkonventionen.

In "Hasta La Vista" schickt er drei ungleiche Kumpel auf eine lange Reise quer durch den Kontinent, man geht sich dabei auf die Nerven, man rauft sich zusammen und verdrückt zum Schluss auch ein paar Tränen. Buddy-Komödie, Urlaubsschwank und Road Movie stützen sich hier gegenseitig.

Im Kern hat die Geschichte dieser gleichermaßen ziemlich behinderten wie ziemlich besten Freunde einiges gemeinsam mit dem gleichnamigen französischen Kassenschlager. Hier wie da basiert die Story auf wahren Begebenheiten. Im Falle von "Hasta La Vista" ist es eine englische Dokumentation über den querschnittsgelähmten Briten Asta Philpot, der für das Recht von Behinderten auf Sex kämpft.

Und ähnlich wie in "Ziemlich beste Freunde" dominiert ein hübsch politisch inkorrekter Humor, der es wagt, sich über körperliche Gebrechen lustig zu machen.

Etwa dann, wenn die beiden Rollstuhlfahrer in "Hasta La Vista" ihre Eltern von der Urlaubsidee mit dem Kalauer überzeugen, "endlich auf eigenen Beinen stehen zu wollen." Und als die Freunde dann in einem Zelt in der Wildnis campen, ziehen sie sich gegenseitig damit auf, dass es nicht weiter schlimm wäre, wenn ihnen ein Bär Arme und Beine abbeißen würde. "Das würde auch keinen großen Unterschied machen."

Eigentlich, so die Aussage des Films, ist ja auch jeder Mensch behindert. Das wird spätestens dann deutlich, wenn die maulfaule, korpulente Pflegerin und Busfahrerin Claude, die die drei Schwerstbehinderten begleitet, von ihrem Ex-Mann als "Handicap" spricht.

An Stellen wie diesen wirkt "Hasta La Vista" doch ein wenig bemüht - wie es der warmherzigen Komödie ohnehin auch nicht besonders gut tut, mit einem vorhersehbaren dramaturgischen Kniff den Ernst des Lebens und des Todes in die Handlung hineinpressen zu wollen.

Alles in allem macht die von zweifellos großartigen (und nebenbei gesagt: nicht-behinderten) Darstellern getragene Komödie beste Werbung für einen anderen Film: Die Dokumentation, die "Hasta La Vista" zum Vorbild diente, würde man gerne mal sehen.

Komödie: Belgien 2011, 120 Min., von Geoffrey Enthoven, mit Robrecht van den Thoren, Gilles De Schryver, Tom Audenaert

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