Kino

Drei Mädchen vom Grill

Pommes Essen: In der sehr vergnüglichen Familienkomödie "Pommes essen" geht's buchstäblich um die Wurst

Schon den Kleinsten kann man das Thema "Selbstbehauptung in Zeiten des Strukturwandels" ja gar nicht früh genug auf den Burger schmieren. Was soll aus dem Nachwuchs werden, wenn man, zum Beispiel, wie die junge Mutter Frieda Frey (Anneke Kim Sarnau), in der zweiten Generation eine Duisburger Currywurstbude führt, die goldenen Zeiten der ewig hungrigen Kumpels aber längst vorbei sind?

Kristina Bauer, die sich als Regisseurin den Feinkostnamen Tina von Traben zugelegt hat, zeigt mit "Pommes essen", dass in wirtschaftlichen Flauten auch etwas Erfüllenderes möglich ist als das Berufsziel "Hartzen" der Marzahner Mädchen aus "Little Thirteen" (derzeit im Kino). Denn als Frieda, alleinerziehend, von Geldsorgen und von ihrem Fastfoodketten-Bruder bedrängt (Musiker Smudo in einer fies-sympathischen Glanzrolle), in ihrer Würstchenbude kollabiert und zur Kur muss, schlägt die Stunde ihrer drei grundverschiedenen Töchter: Patty (Luise Risch), Selma (Marlene Risch) und Lilo (Tabea Willemsen) fackeln nicht lange, brennen aus Versehen erst das Büdchen ab und wollen dann dem alten Familienbetrieb zu neuer Blüte verhelfen.

Dass "Pommes essen" kein pädagogisches Sturmgewehr geworden ist, sondern in erster Linie ein sehr vergnüglicher, kluger Familienfilm, liegt vor allem an der Selbstverständlichkeit, mit der das Drehbuch des Kinderbuchautors Rüdiger Bertram (zusammen mit Tina von Traben) Kinder- und Erwachsenenwelt nicht gegeneinander ausspielt, sondern in ein größeres David-gegen-Goliath-Ganzes verwebt. Konkurrenz allein belebt hier jedenfalls nicht das Geschäft, erst der kreative Zusammenhalt der Kleinen.

Ein Wettbewerb wird nämlich ausgerufen, dessen Gewinner in Zukunft die Fans des MSV Duisburg im Stadion mit Currywurst und Pommes verköstigen darf. Fastfoodketten-Bruder gegen Loser-Schwester also, wobei Frieda gar nichts von ihrer eigenen Teilnahme weiß, weil sie sich ja gerade in Villingen-Schwenningen erholt. Während ihre Kinder den Laden am Laufen halten, will ihr Bruder der Ältesten das Geheimrezept für die Frey'sche Currysauce entlocken.

Natürlich muss man schon mit einigen Übertreibungen herangehen, damit das Ganze als Märchen glaubwürdig bleibt. Lilos lustige Eloquenz und ihr Verkaufstalent etwa mögen ein wenig zu professionell für ein Grundschulkind wirken; und die gute Fee dieses Ruhrpott-Märchens wird hier als osteuropäische Mechanikerin vorgestellt, radebrechend gespielt aber nicht von einer Osteuropäerin, sondern von einer recht herzhaften Thekla Carola Wied.

Immer wieder schaffen charmante visuelle Einfälle Abstand und Übergänge: Da gibt es an alte tschechische Zeichentrickfilme erinnernde Animationen (Lena Mayer), Pattys Tagträume als umjubelte oder ausgebuhte Fernsehköchin und Peter Bongartz als verblichener Budengründer Opa Frey kommentiert von Fotos herab das Geschehen mit wechselnder Mimik.

Neben diesen kleinen Bild-Frechheiten und herrlich gezeichneten Nebenfiguren verhindert auch der angenehm handgestrickte, rockige Sound der Kölner Band Roman, dass der gelegentliche Anarcho-Humor nicht von Schnulzenschwere erdrückt wird.

Komödie: Deutschland 2012, 85 Min., von Tina von Traben, mit Luise Risch, Marlene Risch, Tabea Willemsen, Anneke Kim Sarnau, Thekla Carola Wied, Smudo

+++--