Unter 20 Euro

Früher war doch auch nicht alles gut

Die DDR war nicht gerade für vielfältige Gastronomie, geschweige denn für guten Service bekannt.

- Bis heute beliebte kulinarische Spezialitäten stehen aber durchaus weiterhin auf den Karten der Speisegaststätten. Lässt man lange Wartezeiten und unfreundliche Bedienung weg, wird daraus ein noch immer tragfähiges Konzept: (N)Ostalgisch essen.

So steht es über dem Eingang vom Pietschmanns geschrieben, einem Lokal, das wochentags schon am Mittag hungrige Gruppen anzieht. Helle Holzstühle, rotbraune Tischplatten, befranste Hängelampen und Kachelfußboden: Die Inneneinrichtung des nach einem Umbau gerade erst neu eröffneten Pietschmanns könnte tatsächlich aus einem DDR-Hotel stammen.

Für die Speisekarte gilt das natürlich auch, allerdings nur teilweise, denn sie geht durchaus mit der Zeit. Es gibt Klassiker wie Würzfleisch (3,90 Euro) oder Soljanka (3,30 Euro). Auch Berliner Pökeleisbein (9,90 Euro) hätte es früher sicher auch schon gegeben, den geräucherten Fjordlachs (12,90 Euro) hingegen wohl schon nicht mehr. Sehr zu empfehlen ist das hausgemachte Hackepeter mit Zwiebel, Eigelb, Butter und Brot (9,80 Euro).

An alte Zeiten erinnert auch der Verzicht auf exotische Gewürze, der das Essen erwartbar ausfallen lässt. Ein gebackener Camembert mit Wildpreiselbeeren stand so schnell auf dem Tisch, dass Mikrowellenverdacht aufkam. Das Geflügelleberragout mit Zwiebeln und Champignons in Rotweinsauce war keine Überraschung, aber zumindest sättigend. Am Kräuterreis jedoch fanden sich nicht einmal die Kräuter. Und die gab es sogar zu DDR-Zeiten.

Pietschmanns Speisegaststätte Konrad-Wolf-Straße 113 a, Hohenschönhausen, Mo.-So. 11.30-21.30 Uhr, Tel. 98 64 330, www.pietschmanns.de

Bewertung

Geschmack **

Ambiente **

Service ****

Preis/Leistung ***

Gesamt ***

Höchstwertung: *****