Bühnencheck

Shakespeare im Hexenkessel

Als wäre die Liebe nicht auch so schon kompliziert genug, entfesselt William Shakespeare in seiner melancholischen Komödie "Was ihr wollt" ein wendungsreiches Geschlechterdurcheinander, das seinesgleichen sucht. Dabei stehen am Anfang nur die besten Absichten: Mutterseelenallein und schiffbrüchig an der Küste Illyriens gestrandet, gibt sich Viola zu ihrem Schutz als ihr tot geglaubter Zwillingsbruder Sebastian aus, um in die Dienste von Herzog Orsino zu treten.

Sie ahnt nicht, was für ein Chaos sie mit ihrer Maskerade heraufbeschwört. Denn Orsino schickt seinen neuen Pagen Sebastian als Vermittler zu Gräfin Olivia. Seit Jahren ist der Herzog in die Schöne verliebt, die ihm einen Korb nach dem anderen gibt, weil sie angeblich sieben Jahre lang um ihren Bruder trauern will. Doch dann verliert sie ihr Herz plötzlich an die als Sebastian ausstaffierte Viola, die bei ihren Liebes-Botengängen Höllenqualen leidet, ist ihre Liebe doch längst für den Herzog Orsino entbrannt.

Der amouröse Reigen ist ein echter Traumstoff für Regisseur Jan Zimmermann und sein Theater Hexenkessel. Er strafft und modernisiert Shakespeares Vorlage, um sie witzig und glaubwürdig zu präsentieren. Vor der malerisch verwitterten Open-Air-Kulisse des Amphitheaters wandelt das bestens aufgelegte Ensemble in tollen Kostümen fein austariert auf dem schmalen Grat zwischen Liebestragik und saftiger Komik, ohne je in peinlichen Klamauk abzurutschen.

Jeder der sechs Schauspieler beweist in Doppelrollen nuanciertes Können. Allen voran Ina Gercke als Viola und Sebastian, der später auch noch auftaucht und sich der sehr blonden Olivia (Rebekka Köbernick) an den sexy dekolletierten Busen wirft. Dabei hatte eigentlich ihr trinkfreudiger Onkel Sir Tobi (Vlad Chiriac) versucht, sie mit seinem trotteligen Saufkumpan Sir Andrew (Carsta Zimmermann) zu verkuppeln, um sich beider Vermögen für weitere Zechgelage zu sichern. Sehr zum Ärger von Olivias verknöchertem Faktotum Malvolio (Michael Golab), der nicht nur die nächtlichen Ausschweifungen unbedingt unterbinden will, sondern sich auch insgeheim Hoffnungen auf seine Herrin macht, was ihm zum Verhängnis wird.

Die liebevoll herausgestellten Macken der Figuren sorgen für treffliche Gags und Volkstheater-Feeling. Dazu zieht die Regie mit parodistischen Horror-, sowie Mantel-und-Degenfilm-Anleihen alle Register. Ein Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Theater Hexenkessel Monbijoupark, Mitte, Tel. 288 866 999, bis 1.9., Di.-Sbd. je 21.30 Uhr, 12 bis 18 Euro