Kleine Entdeckungen

Koloss mit vielen Gesichtern

Modrig-kalte Luft schlägt einem entgegen, steigt man in die dunkle Unterwelt hinab.

Wellen von Gänsehaut treffen auf Neugier. Der Fichtebunker in Kreuzberg zeigt im Untergeschoss seine wechselvolle Geschichte. Der eigentliche Zweck: Gasometer. Er diente zur Versorgung gasbetriebener Straßenbeleuchtung. Der denkmalgeschützte Bau von 1874 ist der älteste und einzige erhaltene Steingasometer in Berlin - ein Werk der Bauingenieure Johann Wilhelm Schwedler und Eugen Reissner. 1922 wurde er stillgelegt. Es gab nun den Luxus der Elektrizität.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau zum Luftschutzbunker mit sechs Ebenen, Innenwänden und Decken aus bis zu drei Meter dickem Stahlbeton. Und dann? Ein Altenheim, eine Jugendarrestanstalt, schließlich ein Obdachlosenasyl und ein Lager der damaligen Senatsreserve. Seit 1990 wieder ohne Nutzung, wurde er 2006 an private Investoren verkauft. Exklusive Wohnungen entstanden oben auf der Bunkerdecke. Der Verein Berliner Unterwelten e.V. betreibt das Bunker-Museum und Führungen in dem alten Gemäuer. Weitere Infos dazu: http://berliner-unterwelten.de