Kino

Teenager-Schwangerschaft als Rebellion: "17 Mädchen"

Was in "17 Mädchen" Jungs, Lehrer und Eltern vor ein Rätsel stellt, ist der ums Verrecken ärgerliche Pragmatismus, mit dem hier 17 Schülerinnen einen Pakt fürs Leben schließen.

Sie haben Sex mit ihren Mitschülern nur mit dem einen Ziel, möglichst zeitgleich schwanger zu werden. Teenie-Schwangerschaften sind nun im realen Leben wie im Kino ein betrüblicher Sozialindikator. "17 Mädchen" sieht auch erst einmal ganz nach einem blassgrauen, semidokumentarischen Sozialdrama aus. "Wird es eine Arbeitslose oder ein Soldat?", fragt da der aus Afghanistan heimgekehrte Bruder seine schwangere Schwester Camille (Louise Grinberg).

Camille wird nach einem One Night Stand ungewollt schwanger. Sie beschließt nun aber nicht nur, das Kind zu behalten, sondern entwickelt auch noch gemeinsam mit ihren Freundinnen ein alternatives Lebensmodell: Die Mädchen wollen jetzt alle gleichzeitig Kinder bekommen und sich gegenseitig unterstützen, weiterhin die Schule besuchen, einen Beruf erlernen und den Nachwuchs gemeinsam großziehen.

Dem Film liegt eine Zeitungsnotiz zugrunde: 18 gleichzeitig schwanger gewordene Teenager versetzten da ein amerikanisches Provinznest in Aufruhr. Die Filmemacherinnen verpflanzten das Geschehen in den einstmals florierenden Küstenort Lorient in der Bretagne. Hier gibt es für Jugendliche nichts außer der Schule, der Einsamkeit im Kinderzimmer und hin und wieder einer Party am Strand. Und daraus bezieht der Film einen Großteil seiner Spannung: dass die Idee der Mädchen als reale Möglichkeit glaubhaft ist.

Selbst als die Katastrophe passiert und Camille ihr Kind verliert, scheint die unaufgeregte Dramaturgie des Films den Verlust nicht schwerer wiegen zu lassen als die Wunden, die der ökonomische Zwang zur Vereinzelung schlägt.

"17 Mädchen" dürfte der seit langem coolste Film über das sein, was der Job der Jungen ist: intuitiv zu wissen, dass alles auch ganz anders funktionieren könnte - und zwar jetzt. Obwohl am Ende eine Ernüchterung steht, enttäuscht der Film nicht, denn er gibt die Vorstellbarkeit einer solidarischen Kinderbetreuung jenseits der Kleinfamilie nicht der Besserwisserei der Erwachsenen preis.

Tragikomödie: F 2011, 87 Min., von Delphine und Muriel Coulin, mit Louise Grinberg, Juliette Darche, Roxane Durane

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