Unter 20 Euro

Berühmt trotz kleiner Portionen

Wenn ein Restaurant schon wenige Wochen nach der Eröffnung über die Kiezgrenzen hinaus bekannt ist, muss es etwas Besonderes haben.

- In der "Long March Canteen" in Kreuzberg dringt auch an hellen Sommerabenden nur wenig Licht durch die verhangenen Fenster. Schlichte Holzbänke und kleine Lampen vermitteln den Eindruck, dass man sich im Shanghai der 30er-Jahre, nicht in einem chinesischen Restaurant befindet. Das Besondere ist schnell gefunden: Es gibt keine Hauptgerichte. Nur kleine Portionen.

Der Service arbeitet schnell. Kaum sind die Getränke bestellt, kommt der Vorspeisen-Wagen. Darauf stehen Teller mit Ochsenbäckchen, Oktopus, Roastbeefscheiben, Gurkensalat und ein halbes Dutzend weiterer Gerichte. Zum Einstieg gibt es "Tausendjährige Eier" mit Seidentofuwürfeln (6,50 Euro) und Quallen-Carpaccio (7,50 Euro) sowie Tintenfisch mit Kohlrabi (7,50 Euro). Der Oktopus ist sanft gegart und butterweich. Ein schöner Kontrast zu den dünnen, knackigen Kohlrabistreifen. Die Quallen jedoch schmecken nach nichts. Dafür haben die Kohlrabistreifen, die eher an Bandnudeln als an ein Carpaccio erinnern, eine angenehm knackige Konsistenz. Der säuerlichen Marinade hätte man ein paar mehr Akzente gewünscht. Die "Tausendjährigen Eier", die einige Monate in Lehm lagerten, schmecken längst nicht so schlimm, wie sie aussehen und riechen. Bei den Dumplings, gefüllte Klöße, die es in den Varianten gebraten, gedämpft und in Suppe gibt, haben die gebratenen seltsamerweise eine ähnliche Konsistenz wie die gedämpften. Und sämtliche Portionen sind klein. Sehr klein. Die gebratenen Lamm-Klößchen allerdings sind das Highlight des Abends.

Long March Canteen Wrangelstr. 20, Kreuzberg, täglich ab 18 Uhr, Tel. 0178 884 95 99, www.longmarchcanteen.com

Bewertung

Geschmack ****

Ambiente ***

Service ***

Preis/Leistung **

Gesamt ***

Höchstwertung: *****