Bühnencheck

Jetzt tanzen alle Puppen

Friedrich Schillers Franz Moor ist einer der hinterhältigsten Bösewichte der deutschen Theaterliteratur: Gierig und eifersüchtig auf den älteren Bruder Karl, treibt er zunächst einen Keil zwischen seinen Vater, Graf von Moor, und dessen Lieblingssohn Karl.

Alsdann steckt er seinen seelisch gebrochenen Senior in den Kerker, reißt das Erbe an sich und baggert Karls Verlobte Amalia an. Wenig verwunderlich, dass Franz sogar als Babypuppe mit seinem verschlagenen Konterfei Zartbesaitete erschreckt.

Dass Schillers Sturm-und-Drang-Erstling "Die Räuber" nicht zum lauwarmen Bühnenaufguss gerät, dafür sorgt die fabelhaft wandelbare Bridge Markland mit ihrer Ein-Frau-mit-Puppen-Vollplayback-Show "Räuber in the box", die nun im Stadtbad Steglitz Premiere feierte. Ihre Lippenbewegungen zu dem von namhaften Kollegen wie Friedhelm Ptok und Dieter Landuris eingesprochenen Text sitzen perfekt, die fliegenden Rollenwechsel mittels Perücken ebenso. Zudem hat die Schauspielerin eine Truppe Kens und eine Barbie im Gepäck. Da deren Mimik aus produktionstechnischen Gründen eindimensional ist, sorgen musikalische Zitate von Céline Dion bis Rammstein für eine nuancierte Gefühlsgemengelage.

Die hippen Räuberbanden-Kens würden mit stylischen kurzen Hosen und nacktem Oberkörper selbst bei Konzerten der Red Hot Chili Peppers eine prima Figur machen. Obermacker Karl, mit langem Haar und cooler Strickmütze, ist zwar um Längen sympathischer als sein Bruder Franz, verstrickt sich aber auch in miese Machenschaften.

Beeindruckend, wie rasant Bridge Markland zwischen ihrem eigenen Spiel und dem der Puppen wechselt. Originell auch die Ton-Kollage aus 157 Musikzitaten, die den Text selbst in den melodramatischsten Momenten ironisch kommentieren. Gründlicher als mit dieser Pop-Version kann man das 231 Jahre alte Stück nicht entstauben.

Stadtbad Steglitz Bergstr. 90, Steglitz, Tel. 54 77 31 18, Vorstellungen: 14.-16., 21.-23., 29. & 30. Juni, 20 Uhr, 18/12 Euro