Kino

Krieg, Leid, Märtyrertum

Mes - Lauf! Das Leid der Kurden nach dem Militärputsch 1980 in der Türkei

Seit einigen Jahren ist es dem türkischen Kino möglich, Reizthemen offen zu debattieren. Damit kommt auch der Kurdenkonflikt auf die Leinwand. "Mes - Lauf!" von Shiar Abdi beschäftigt sich mit der Situation nach dem Militärputsch 1980. Der zwölfjährige Cengo (Abdullah Ado) lebt in Nusaybin, einer 85 000-Einwohner-Stadt an der Grenze zu Syrien. Mit anderen Kindern zieht er sich unter die 'Deutsche Brücke' zurück, auf der einst die Bagdad-Bahn den Fluss überquerte. Eines Tages freundet er sich mit dem traumatisierten Xelilo (Abudel Selam Kilgi) an. Doch die Freundschaft zwischen den beiden Außenseitern zerstört der Militärputsch. Die Soldaten gehen rücksichtslos gegen die kurdische Bevölkerung vor, der staatlichen Willkür fallen Cengos Vater und Xelilo zum Opfer.

Mit strenger Kameraführung werden die Gewalt gegen die Kurden und das Leid nach dem Putsch protokolliert. Einige der Protagonisten bewegen sich auf illegalen Pfaden durch die nächtlichen Ausgangssperren. Dabei versteinern sie, wie ihre türkischen Gegner, zu Spielfiguren in einem Polit-Drama. Immer wieder kommt Cengos Bruder zu Besuch aus den Bergen, wo er sich den kurdischen Peschmerga angeschlossen hat. Pathetisch schreibt der Abspann die Geschichte fort: "Drei Jahre später kehrt Cengos älterer Bruder Salih zurück. Im Jahr 1987 stirbt er in seinem Kampf für die Freiheit. Im Jahr 1988 geht Cengo in die Berge und nimmt den Platz seines Bruders ein und läuft und läuft ... ".

Womit der Teufelskreis aus Krieg, Leid, Märtyrertum und Gegenwehr zum Heldenideal verklärt wird. Eine nach den Spielregeln des Arthousekinos dramatisierte Sympathiebekundung für den bewaffneten Kampf, die die Betroffenheitsperspektive nutzt, um holzschnittartige Feindbilder festzuzurren.

Drama: Türkei 2011, 88 Min., von Shiar Abdi, Abudel Selamo Kilgi, Abdullah Ado

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