Kino

Mafia und Familie: "Ein ruhiges Leben"

Von Anfang an herrscht ein bedrohliches Unbehagen in diesem Film. Wenn gleich zu Beginn Männer mit Gewehren bewaffnet durch den Wald ziehen, dauert es eine Weile, bis man begreift, dass hier nur ein Wildschwein erlegt werden soll. Dabei scheint zunächst alles, wie der Filmtitel suggeriert, seinen gemütlichen Gang zu gehen im Alltag von Rosario (Toni Servillo), dem Italiener, der vor 15 Jahren nach Deutschland kam, sich längst etabliert hat und in der Nähe von Wiesbaden mit Frau Renate (Juliane Köhler) und dem gemeinsamen Sohn Matthias lebt. Er hat es zu was gebracht in diesen Jahren, betreibt ein Hotel und ist Koch des Restaurants. Die Erfolgsgeschichte eines geglückten Migrantenaufstiegs also. Doch dann tauchen zwei Männer aus der alten Heimat auf, einer entpuppt sich als Rosarios erwachsener Sohn Diego, von dem Renate nichts wusste, der andere, Eduardo, ist der Sohn eines Mafiabosses. So ist es mit der friedlichen Existenz vorbei, nicht nur Rosarios private Vergangenheit fliegt auf, auch seine frühere Mitgliedschaft bei der Camorra, der er mit seiner Flucht in den Norden zu entkommen versucht hatte, holt ihn ein. Erst nach einer Weile begreift er, dass sein Sohn und Eduardo mit einem Mordauftrag nach Deutschland gekommen sind.

Die deutsch-italienische Koproduktion von Claudio Cupellini ist eine interessante Mischung aus Mafiathriller und Familiendrama, ohne letztlich beiden Genres wirklich gerecht zu werden. Immer wieder findet der Film ahnungsvolle Bilder für den Killer, der noch immer in Rosario steckt, wenn er ihn etwa anfangs zeigt, wie er in Bäume, die er für seinen Biergarten nicht fällen darf, Kupfernägel hämmert, damit sie eingehen. Doch letztlich ist der Film zu langsam erzählt, um Spannung zu entwickeln, und verliert sich in überflüssigen Nebenhandlungen wie Eduardos Flirt mit einer Kellnerin des Restaurants, wie überhaupt die beiden spätpubertierenden Jungmafiosi unglaubwürdig wirken.

Erst am Ende nimmt "Ein ruhiges Leben" an Fahrt auf. Sehenswert macht den Film vor allem Hauptdarsteller Toni Servillo, bekannt aus der Politsatire "Il Divo" und dem Mafiafilm "Gomorrha", der mit seiner Mimik alle anderen an die Wand spielt.

Drama: D/I/F 2010, 105 Min., von Claudio Cupellini, mit Toni Servillo, Juliane Köhler, Marco d'Amore, Francesco Di Leva

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