Ausflugs-Tipp

Über den Kaisersteg zum alten Kranhaus in Oberschöneweide

Wer sich ins ehemalige Industrieviertel Oberschöneweide aufmacht, muss eine Schwäche für Industrie-Relikte haben.

Ausgangspunkt und Ziel ist der S-Bahnhof Schöneweide. Dort angekommen, nehmen wir den rechten Ausgang, wenden uns auf der Straße nach links und sind - sobald wir die Michael-Brückner-Straße überquert haben - gleich auf der Hasselwerderstraße.

Vor uns liegt jetzt die Rad- und Fußgängerbrücke "Kaisersteg". Die Brücke von 2007 mit charakteristischem Mittelpylon verbindet mit elegantem Schwung Niederschöneweide mit Oberschöneweide. Sie wurde dort errichtet, wo Regierungsbaurat Heinrich Müller-Breslau im Jahr 1900 eine filigrane Eisen-Fachwerk-Konstruktion über die Spree gesetzt hatte. Seine Brücke galt damals als Meisterleistung der Ingenieurkunst. Leider wurde sie in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gesprengt. Jenseits des neuen Kaiserstegs sieht man links die alten AEG-Produktionsstätten, die zu DDR-Zeiten zum VEB Transformatorenwerk Oberspree (TRO) gehörten. Rechter Hand ist die Aufschrift "KWO" für Kabelwerke Oberspree noch an vielen Gebäuden zu sehen. Viele markante Häuser aus der Gründerzeit sind aus gelbem Klinker und prägen die Industriearchitektur Oberschöneweides. Rund um den neuen "Platz am Kaisersteg" stehen alte Produktionshallen, in denen Kleingewerbe und Künstler-Ateliers untergebracht sind. Auf der Straße Unter der Kranbahn sind Reste der alten TRO-Kranbahn zu besichtigen. Dann biegen wir rechts in die Wilhelminenhofstraße ein. Zunächst passieren wir den Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft und sehen nach etwa zehn Minuten Fußweg rechter Hand die Villa Rathenau. Sie wurde 1902 für Erich, den Sohn des AEG-Gründers Emil Rathenau errichtet. An der Ecke Wilhelminenhofstraße/ Ostendestraße überragt der Turm des ehemaligen Werks für Fernsehelektronik die Gegend. Das Gebäude wurde nach dem Entwurf des Industriedesigners Peter Behrens (1868-1940) errichtet. Heute prangt auf dem Turm der Name des neuen Eigentümers: "Comer".

Nun folgen wir dem Wegweiser "Kranhauscafé". Das in ein KWO-Industrierelikt eingebaute Café an der Spree mit Blick auf vorüberziehende Schiffe trägt noch einen Kran auf dem Dach - und überrascht mit frischem Blechkuchen. Die Terrassen-Tische sind alte KWO-Kabeltrommeln. Auf einer neuen Ufer-Promenade am Café können wir nach der Rast Richtung Kaisersteg zurückgehen - bis ein Zaun uns stoppt. Über den Hochschul-Campus gelangen wir wieder auf die Wilhelminenhofstraße, wo die Tram 63 oder 67 uns zum S-Bahnhof zurückbringt.