Kleine Entdeckungen

Der ideale Platz für eine Munitionsfabrik

Eine Insel in der Stadt, umschlossen von Havel und Spandauer See. Ideal, um Schießpulver herzustellen, dachte man sich. Wenn hier eine Munitionsfabrik in die Luft fliegt und ein Brand wütet, dann können die Flammen wenigstens nicht auf die Stadt übergreifen - das Wasser ist ja dazwischen. So baute man auf der Insel Eiswerder seltsame Häuser mit Dächern in Leichtbauweise. Im Jahr 1892 entstand in der Eiswerderstraße 13 ein großes Gebäude. Zunächst wurde es Sitz für die Administration der Pulverproduktion, nach den Kriegen eine Berufsoberschule. Dann stand es lange leer und verfiel. Wasser stieg in den Keller, die Fenster vergammelten, der Putz blätterte von den Wänden.

Da entdeckten ein paar Leute das Gebäude, bildeten eine Baugruppe und begannen mit der Renovierung. Einige leben, andere arbeiten hier. Sie machen zum Beispiel eine Hobbythek, ein Verlagsarchiv und ein Bibliophilium. Und ein Café. Ostern hat es mit einem Brunch eröffnet. Und weil hier mal eine Schule war, sitzt man an Schultischen, die der Architekt in einem zugemauerten Keller aufgestöbert hat. Die Tische sind so alt, dass sie noch Rillen für Füllfederhalter und Löcher für Tintenfässer haben. Aber das Essen im Café, das ist frisch. Und auch nicht explosiv.