Serie: Kiez auf Kulinarisch

Die Spitze des Kudamms

Serie: Redakteure der Morgenpost stellen Highlights ihrer Viertel vor. Diesmal das Beste aus Halensee

Es gab Zeiten, da war mir für eine gute Kneipe kein Weg zu weit. Als berufstätige Mutter, die gern mal in einem netten Bistro entspannt, habe ich dann allerdings die kurzen Wege in meinem Kiez schätzen gelernt. Als ich vor 18 Jahren nach Halensee zog, war es zunächst nicht so einfach mit den coolen Locations. Am oberen Kudamm sammelten sich mehr oder weniger attraktive Lokale. Graue Langeweile.

Bistro für jede Tageszeit

Erst als am Kudamm das Eiffel öffnete, war ich gerettet. Es ist ein schön designtes Lokal, in dem man wunderbar Zeitung lesen oder auf der großzügigen Terrasse einen Apéritif genießen kann. Die Eiffel ist gut besucht, ohne einzuengen, hat weltstädtisches Bistroflair und ist kulinarisch für jede Tageszeit top.

Die Kochkünste von Küchenchef Dirk Güttes, der hier mit raffinierten französisch-mediterranen Kreationen zu zivilen Preisen zwischen acht und 30 Euro überzeugt, sind lange kein Geheimtipp mehr, die etwa 120 Plätze besonders abends schnell besetzt. Da ich das Eiffel am liebsten tagsüber besuche, starte ich mit der Frühstückskarte. Sie führt durch Paris und ist im Kiez konkurrenzlos. Vom schnellen Croissant mit Butter, Konfitüre und Eiweißschock (Sorbonne, vier Euro) bis zum opulenten Frühstück für zwei (Arc de Triomphe, je 14 Euro) ist für jede Verfassung gesorgt. Der Service ist freundlich, aufmerksam und unaufdringlich - das Publikum eher die lässig elegante Genießerfraktion, Geschäftsleute, hin und wieder Touristen.

Mittagessen beim Fleischer

Die Westfälische Straße hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Allein auf den knapp 300 Metern zwischen Joachim-Friedrich-Straße und Kudamm kann man mittags zwischen fünf Italienern und ebenso vielen Bäckereien wählen, es gibt einen Asia-Imbiss, eine Dönerbude und Lindner. Wer sich nicht setzen will und trotzdem Wert auf Qualität legt, geht zum Neuland-Fleischer Bünger. Dort gibt es wochentags von elf bis 14 Uhr drei Mittagessen, frisch aus der hauseigenen Küche. Suppe oder Eintopf zu drei bis vier Euro und zwei Fleischgerichte zwischen fünf und sechs Euro, freitags auch Fisch. Das Fleisch kommt vom Biobauern, auch vom Loué-Huhn. Hausmannskost vom Feinsten.

Handgefertigtes Konfekt

Torten sind eigentlich nie meine Leidenschaft gewesen, aber beim Café Metropolen in der Westfälischen Straße 32 mache ich eine Ausnahme. Nicht nur Senioren stehen hier Schlange, auch Jüngere, Paare, Familien mit Kindern kommen und haben dieses erwartungsvolle Leuchten in den Augen. In das Zischen der Kaffeemaschine mischen sich Fetzen Polnisch, Deutsch, Russisch, Französisch. Die Inhaberinnen Iwona Pogodzinska und Malgorzata Brasch sind Akademikerinnen, die sich hier seit gut zwei Jahren einen Traum verwirklichen. Mit offensichtlicher Freude verkaufen sie Kuchen, Torten, Kekse und handgemachtes Konfekt des polnischen Traditions-Konditors Adam Sowa. Alle zwei Tage schicken sie dafür einen Fahrer ins 450 Kilometer entfernte Bydgoszcz (Bromberg). Ein rein polnischer Laden will das Metropolen aber nicht sein. Neben Mohnstollen, Baum- und Käsekuchen gibt es schwere Buttercreme und leichtere Joghurt-Sahne-Kreationen, diverse Schokoladen, Zitronen- und Orangentorten, russische Kamjak- und ungarische Esterhazytorte, kleine Kirschröllchen, Nuss- und Apfeltörtchen. Immer wieder gibt es auch saisonale Spezialitäten. Zurzeit ist es das traditionelle polnische Ostergebäck "Mazurek".

Hausgemachte Pasta und ein Glas Wein können mich nach einem stressigen Tag mit der Welt versöhnen. Zum Beispiel im Familienlokal De Santi.

Kurzer Heimweg

Viel dunkles Holz, rote Ziegelwände, Kerzen, Weinregale und Schummerlicht machen das Ristorante zu einer gemütlichen Gaststätte. Bei Francesco speist man toskanisch. Handarbeit und wenige, aber sehr gute, frische Zutaten, machen jede Pasta zum Genuss. Es gibt scharfe schwarze Tagliatelle mit Calamaretti (14,50 Euro) und auch die Linguine mit Jacobsmuscheln (16,50 Euro) sind ein Gedicht. Die Atmosphäre ist herzlich und wohltuend. Der Koch erfüllt auf Zuruf auch Sonderwünsche. Der passende Wein kommt fast von allein. Und nach dem Grappa bin ich froh, dass ich im Kiez geblieben bin. Und zu Fuß nach Hause gehen kann.