Film: Was weg is, is weg

In der Ruhe liegt die Kraft

Deutschland hätte mit der Energiewende nicht so lange warten müssen, bis in Japan ein Atomkraftwerk havariert. Schließlich erfand der bayerische Bauer Sepp schon 1968 eine Maschinerie, mit der sich sauberer Strom herstellen lässt, erfährt man in Christian Lerchs "Was weg is, is weg".

Dummerweise wurde der Landwirt bei der Inbetriebnahme seiner Apparatur aber so sehr von seinen drei Neffen abgelenkt, dass ihn ein Stromschlag in ein Koma versetzte.

Die Komödie zeigt die Kraft, die das bayerische Kino seit Marcus H. Rosenmüllers "Wer früher stirbt, ist länger tot" aus der erneuerbaren Energie des Heimatfilms bezieht. "Was weg is, is weg" wirkt origineller und spritziger als die mittlerweile sehr routiniert heruntergedrehten Erzeugnisse des Vielfilmers Rosenmüller.

Der Film spielt im Jahr 1986. Die Neffen des Komabauerns Sepp sind inzwischen Männer: Hansi (Maximilian Brückner) ist zu einem halbseidenen Versicherungsvertreter herangewachsen, der umweltbewegte Lukas (Florian Brückner) will auf einem Greenpeace-Schiff anheuern, der übergewichtige Paul (Matthias Kellner) schließlich ist geistig ein Kind geblieben. Zusammengeschmiedet werden die drei ungleichen Brüder durch einen abgetrennten Arm, den der bankrotte Kneipier Much (Jürgen Tonkel) auf Anraten seines Versicherungs-Hansi verloren hat.

Bemerkenswert ist, dass es Lerch in seinem Debüt gelingt, mit diesen kruden Zutaten eine wunderbare Komödie hinzubekommen. Es liegt zum einen daran, dass er seine Figuren niemals denunziert. Zum anderen verfügt der Film über erstaunlich gutes Timing: Im Gegensatz zu anderen deutschen Road-Movies, die sich verzweifelt um Rasanz bemühen, lässt Lerch sich und seinen Figuren - bayerisch dickköpfig - viel Zeit.

Die süddeutsche Antwort auf "Am Tag, als Bobby Ewing starb" findet ihr Fortkommen im Wald und auf dem Feldweg zuweilen im Schneckentempo. Es ist nur konsequent, dass Lerch die nach vorne drängende Energie des Road-Movie-Genres zum Schluss ad absurdum führt: Mit einem Rückwärtsgang, der Seelen-Recycling verspricht, und den es so nur in Bayern gibt.

Komödie: D 2012, 88 Min., von Christian Lerch, mit Florian Brückner, Mathias Kellner, Maximilian Brückner

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