Berliner Perlen

Reif für die grüne Insel

Auf Kleeblätter und Schafspostkarten kann Beate Lemcke verzichten. Sie kennt das wahre Irland und möchte ihren Kunden keine Klischees verkaufen, sondern das Beste, was die Grüne Insel zu bieten hat. Diesem Grundsatz folgend betreibt die ehemalige Kunstjournalistin seit 1995 ihr Geschäft Irish Berlin in Mitte. Natürlich gab ein Besuch der Grünen Insel den Ausschlag.

Was Irland betrifft, gebe es zwei Fraktionen, sagt sie: "Einmal und nie wieder oder einmal und immer wieder. Ich gehöre zur letzteren."

Mit kitschigen irischen Souvenirläden lässt sich das kleine Geschäft nicht vergleichen. Im Irish Berlin gibt es hauptsächlich Kleidung zu kaufen. Beate Lemcke zieht ein bräunliches Tweedsakko vom Kleiderständer und streicht sanft über den Stoff. "Diese Farbigkeit beeindruckt mich immer wieder. In so einem Sakko werden bis zu 200 Farbfäden verarbeitet, dadurch wirkt es sehr warm und lebendig." Das Gleiche gilt für die Schals, die dicken Wollsocken oder die Schiebermützen, die wieder voll im Trend liegen.

Schutz vor Krawatten

Traditionell sind viele dieser Vintage Caps aus verschiedenen Stoffstücken zusammen genäht, "denn im armen Irland wurden früher so noch die endgültig nicht mehr vererbbaren Hosen und Anzüge verwertet", sagt die Chefin. Beate Lemcke hat zu vielen ihrer Produkte Anekdoten parat und selbst für die Beliebtheit der kragenlose Wollhemden eine Theorie: "Damit schützen sich die Iren davor, Krawatten tragen zu müssen."

Fast alles hier ist aus guter irischer Schafwolle gemacht. Die hält im Winter nicht nur warm, sondern hat noch viele weitere Qualitäten. "Anstatt sie chemisch zu behandeln, wird die Wolle für meine Waren kurz nach der Schur in einer leichten Seifenlauge gewaschen. Dabei bleibt das natürliche Wollfett erhalten, das bestens vor Verschmutzung schützt", erklärt Lemcke. Und diese Wolle kann noch mehr, zum Beispiel die Hälfte ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. So kommt man trocken durch den Regen, was nicht nur in Irland von Vorteil ist. Die häufigste Sorge ihrer Kunden, die anstrengende Wollpflege, zerstreut sie. "So einen Pullover hängt man über Nacht an die frische Luft und er ist sauber, riecht wieder frisch und behält beste Trageeigenschaften".

Ihr Sortiment bezieht Beate Lemcke ohne Umweg von den Herstellern. So behält sie die Kontrolle darüber, dass auf ihren Warentisch nur handwerklich anspruchsvolle Produkte kommen. "Nach solchen Dingen muss man heute auch in Irland genau suchen." Sie unterhält intensive persönliche Beziehungen zu einigen Dutzend Manufakturen und Familienbetrieben, die sie jedes Jahr besucht. "Manche arbeiten noch vorindustriell, da wird morgens die Werkstatt aufgeschlossen, dann wird Tee gekocht und anschließend an über hundert Jahre alten Webstühlen wie eh und je Wolle verarbeitet."

Genau das mag die Irlandliebhaberin, denn solcherart hergestellte Dinge atmen Tradition und Handwerk. Nur so könne das Gefühl entstehen, sie seien für einen persönlich gemacht, meint sie. "Diese Kleidungsstücke werden richtig zum Freund. Ich habe schon oft erlebt, dass Kunden nach vielen Jahren zu mir kamen, weil ein Stück langsam mürbe wurde, und haargenau dasselbe noch einmal wollten."

Fans der grünen Insel gehören ebenso zu ihrer Klientel, wie die Touristen, die durch die Große Hamburger Straße strömen. Mehr noch aber lebe das Geschäft von Menschen, die die Qualität und Langlebigkeit ihrer Waren zu schätzen wissen, meint Beate Lemcke.

Dass viele ihrer Textilien so widerstandsfähig sind, ist nicht sonderlich geschäftsfördernd. Das weiß Beate Lemcke. Lachend holt sie ein gestreiftes Nachthemd mit dazugehöriger Zipfelmütze hervor. "Die hier halten zum Beispiel mindestens acht Jahre. Aber es passiert mir tatsächlich, dass nach so langer Zeit Ehefrauen hereinkommen und für ihren Mann wieder ein neues kaufen."

Doch man kann auch häufiger vorbeikommen, denn zwischen Wollsachen, in Dublin produzierten Schottenröcken und keltischem Schmuck gibt es auch weniger lange Haltbares. Die in einem Familienbetrieb hergestellte Whiskey-Orangenmarmelade etwa oder der Irish Breakfast Tea, eine meist deutlich stärkere Mischung als gemeinhin in Deutschland bevorzugt. Daneben steht Whiskey Fruitcake im Regal. "Gehaltvoll und saftig, genau das Richtige, wenn man Berliner Bäckerkuchen einmal satt hat", findet Beate Lemcke.

Whiskey - Wasser des Lebens

Und überhaupt, wie könnte Whiskey in diesem Geschäft fehlen? Schließlich gilt er den Iren als das Wasser des Lebens, wie die ursprüngliche gälische Bezeichnung "uisce beatha" übersetzt wird. Die Liste der Whiskeysorten von der Insel ist bekanntlich lang, im Irish Berlin wird aber nicht ansatzweise auf Vollständigkeit Wert gelegt, sondern auf das gewisse Etwas. Schon einmal vom 18 Jahre alten "Greenore" gehört? Wahrscheinlich nicht. Davon gibt es weltweit aber auch nur 4000 Flaschen. Die 88 Euro dafür scheinen nicht zu viel. Der Preis der anderen Sorten rangiert dagegen zwischen 20 und 30 Euro, denn "ein guter Whiskey muss nicht teuer sein". Lemcke hat natürlich alle Marken selbst getestet und verfährt auch beim Whiskey strikt nach Irish Berlin-Rezept: Sie führt nichts, was man auch im Supermarkt bekommen könnte.

Irish Berlin Große Hamburger Straße 36a, Mitte, geöffnet Dienstag bis Freitag 13-19.30 Uhr, Sonnabend 10-16 Uhr