Serie: Kiez auf kulinarisch

Weltreise vom Frühstück zum Abendessen

Ich heize zuhause mit Kohle und habe einen Mietvertrag, der noch im 20. Jahrhundert abgeschlossen wurde. Meine Gäste betonen bei Besuchen immer gern die Vorteile: niedrige Miete, romantisches Feueranpusten, et cetera.

Aber diese Gäste müssen keine Kohlen über vier Stockwerke tragen. Die Folge ist, dass ich meine Mietersparnis oft für auswärtiges Essen ausgebe. "Auswärtig" heißt in Prenzlauer Berg übrigens auch "international".

Der Besuch meiner Lieblingsorte im erweiterten LSD-Viertel (zwischen Lychener, Schliemann- und Dunckerstraße) führt einmal rund um die Welt. Aber ihre wichtigste Gemeinsamkeit ist: Sie haben Zentralheizung.

Von portugiesischen Croissants...

Meinen liebsten Ort zum Frühstücken habe ich erst im vergangenen Jahr entdeckt, obwohl er schon vor sechs Jahren eröffnet hat: die Bekarei. Das Café heißt so, weil es zur Kneipe Eka, ein paar Hausnummern weiter, gehört. Sonnabendmorgen, nachdem ich den Ofen angeheizt habe, gehe ich in drei Minuten dorthin und kaufe ein portugiesisches Croissant (1,50 Euro) und zwei Rustico-Brötchen (je 30 Cent). Manchmal auch noch Kuchen (ab zwei Euro). Das ist zwar teurer als bei anderen Bäckern im Kiez, aber dafür wird in der Bekarei nichts aufgewärmt. Alles wird frisch hergestellt. Darum stehen hier Italiener hinter Briten und dahinter womöglich Spanier. Internationale Warteschlangen. Es wird Wechselgeld nachgezählt oder ausgiebig diskutiert, warum es Cranberry-Brötchen nur am Wochenende gibt.

Martina Mohr steht oft hinter der Theke. Sie kennt alle Zutaten. In den vergangenen Monaten sei es wirklich sehr voll geworden, sagt sie. Demnächst öffnet deshalb ein zweiter Café-Raum nebenan. Während der Woche frühstücken im Vorraum viele portugiesisch, amerikanisch oder deutsch. Kein Wunder, der Preis für ein Gedeck liegt mit 4,50 Euro unterhalb der Konkurrenz. Ich zumindest frühstücke aber doch meistens zu Hause. Nachdem ich die Ofentür geschlossen habe.

...über Kichererbsenbrei mit Brot...

Noch bodenständiger ist es im Zula. Auf Arabisch bedeutet "Zul" Schatten, und Zula ist ein "entspannender Ort in der Wüste", erklärt der israelische Mit-Inhaber Ofer Melech. "So sehe ich auch dieses Café." Er hat das Zula vor fünf Jahren eröffnet. Seitdem stellt er jeden Tag frischen Hummus her. Der warme Kichererbsenbrei ist die Grundlage für fast alle Gerichte, die auch komplett ohne Fleisch sehr satt machen können.

Zutaten wie Oliven oder Kapern bekommt er zum Teil aus dem Libanon oder der Türkei, sagt Ofer Melech. Gespräche über den Nahost-Konflikt sind da an der Tagesordnung, aber für den studierten Architekten keine Hauptsache. Das hier soll schließlich eine Oase sein. Wer genau hinschaut, sieht auf dem Fotoposter von der Klagemauer in Jerusalem einen Sternenkrieger aus dem Film "Star Wars". Das kann man auch als Statement verstehen. Tatsächlich aber geht es im Zula um frisch gebackenes Brot, das langsam in eine Schale voller Hummus getunkt wird.

...und Rind asiatisch...

Etwas weiter Richtung Asien geht es ins Bi Bim. Inhaberin Park Wey-Ja ist vor 20 Jahren nach Hamburg gekommen, wo sie mit ihrem Mann ein Asia-Restaurant betrieb. "Aber die Gäste dort sind viel konservativer als in Berlin", sagt sie. "Da gab es Leute, die haben 18 Jahre lang immer nur die Nummer 32 bestellt, 'Hühnchen kross'."

Dort koreanisch zu kochen, hatte sie sich nicht getraut. Vor zwei Jahren allerdings kam sie dann mit ihrem Mann nach Berlin, vor allem, weil hier seit langem viele ihrer gemeinsamen Freunde leben. Die Landsleute sitzen nun im hinteren Raum des Restaurants und bereden in der ehemals geteilten Stadt die Politik ihres noch immer geteilten Heimatlandes.

Da koreanisches Essen in Berlin momentan immer beliebter wird, ist Park Wey-Ja mit ihrem Restaurant in der Hauptstadt genau richtig. "In Korea muss ein Essen immer gesund sein", sagt sie. Das bedeutet: wenig Fett, viel Gemüse und verhalten würzen. Frau Park setzt da ganz auf den Eigengeschmack der verwendeten Produkte. Das Hauptgericht "Bi Bim Bab" beispielsweise besteht aus Gemüsesorten und Rindfleisch auf warmem Reis, serviert in einem original koreanischen Steintopf. Dazu gibt es eine Suppe. Das geschieht auch aus praktischen Gründen. "Wenn der Reis am Steintopf festklebt, kann man ihn mit der Suppe mischen und etwas weicher machen", sagt Frau Park. Das passt. Der Name ihres Restaurants Bi Bim heißt auf Deutsch "Vermischung".

... bis zum Meister der Drinks

Ein Meister des professionellen Mischens ist Oliver Ebert, der vor sieben Jahren mit seiner Frau die Bar Becketts Kopf eröffnet hat. Allabendlich ab 20 Uhr öffnet sich die Tür für diejenigen, die geklingelt und hoffentlich einen Tisch reserviert haben. Die Räume sind dezent beleuchtet, die Farbe Rot wird von den Lampen ausgestrahlt und von den Wänden reflektiert. Auch Nicht-Kachelofen-Heizer fühlen sich in den schweren Sesseln schnell heimisch.

Die Cocktailkarte wechselt alle sechs Wochen und enthält 16 Drinks, aber keine Klassiker wie Cosmopolitan, Old Fashioned oder Mojito, die Oliver Ebert aber auf Anfrage mixt. "Es sei denn, sie haben obszöne Namen", sagt er.

Seine aktuelle Spezialität ist der Lusitanian, mit portugiesischem Aguardente Velha gemixt, im antiken Glas serviert. Von der Bekarei um die Ecke hat Ebert zwar noch nichts gehört, aber er werde da mal vorbeischauen, sagt er. Vielleicht auf ein Frühstück mit portugiesischem Kaffee. Die Öffnungszeiten überschneiden sich ja nicht.

Der Autor Sören Kittel empfiehlt im Bi Bim das koreanische Barbecue und im Becketts Kopf den Cosmopolitan der 30er-Jahre