Kleine Entdeckungen

Als shoppen noch einkaufen hieß

"Mehr West-Berlin geht nicht" ist ein Slogan der selbstbewussten Werbekampagne, mit der seit 2011 plakativ für das Europa Center geworben wird.

Im alten West-Berlin hatte das Einkaufszentrum so etwas noch nicht nötig. Seit 1965 lud es als konsumfixierter Gegenpol zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche die West-Berliner zum Shoppen ein, was damals noch Einkaufen hieß, und symbolisierte auch den Überlebenswillen der seit wenigen Jahren durch die Mauer eingeschlossenen Stadt.

Der 86-Meter-Bau der Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg war bis 1969 das höchste Haus Berlins. Wie die Werbung es nun selbstironisch formuliert, kommt es beim klotzigen Europa-Center auch "auf die inneren Werte an": Inmitten der vielen Ladenzeilen und Passagen öffnet sich im östlichen Innenhof ein Hort der Ruhe. Begrünte Terrassen führen zu einem Café, das den Geist einer vergangenen Epoche atmet. Angejahrte Eleganz gepaart mit einer vergessen geglaubten Unzugänglichkeit des Personals. Doch sitzt man erst einmal, sorgt das Gesamtensemble inklusive Wasserspiel der Pariser Künstler Bernard und Francois Baschet, das akustische Elemente enthält, für kontemplative Entspannung. Und vor allem für Eines: "Westalgie" pur.