Bühnencheck

Jürgen von der Lippe sagt, wie's geht

Er sucht die Nähe zu seinem Publikum. Videowände und Massenabfertigung sind ihm ein Gräuel.

Andere Entertainer seines Kalibers würden zwei, vielleicht drei Mal die O2 World füllen. Jürgen von der Lippe aber, der Grandseigneur der deutschen Comedy, stellt sich lieber auf die Bühne des Konzertsaals der Universität der Künste mit seinen rund 1250 Plätzen, nahezu vier Wochen lang en suite - und ausverkauft.

Der sprachverliebte Mann aus dem Lipperland, der seine Karriere Anfang der 70er-Jahre in den Folkclubs des alten West-Berlins begonnen hatte, ist ein charmanter Plauderer, der Alltägliches durch die komödiantische Brille sieht und der weiß, wie man einen Witz dramaturgisch aufpeppt.

"So geht's" heißt sein neues Programm. Es ist ein Comedy-Crash-Kurs für Senioren. Eine Anleitung zum Komischsein im Alter. Ein Blick hinter die Kulissen eines Alleinunterhalters, der seit 40 Jahren auf der Bühne steht. Und der weiß, wie's geht. Wie macht man ein perfektes Opening? Wie erzählt man eine Geschichte, damit sie komisch wird? Mit welchen Sprachtricks überrumpelt man sein Publikum?

Jürgen von der Lippe, der professionelle Hobbykoch, ist ein Genussmensch, der preisgibt, welche Zutaten nötig sind, um einen Saal zum Kochen zu bringen. Und weil der 63-Jährige weiß, dass sein Publikum mit ihm älter geworden ist (der Altersdurchschnitt dürfte etwa auf ZDF-Niveau liegen), lernt man in "So geht's" alles, was man braucht, um ein erfolgreicher älterer Komiker zu werden. Und hat jede Menge Spaß dabei - sowohl über, als auch unter der Gürtellinie. Dazwischen streut der Großmeister neue Lieder, unterstützt von Gitarrist Mario Hené und Neuzugang Wolfgang Herder am Keyboard. Lieder über das Rauchen, den "Rock'n'Rollator" oder auch einfach eine Ode an die Spreewaldgurke. Der Saal tobt. Hier wird das Lachen zum Ausdauertraining.

UdK Hardenbergstr. 33, Charlottenburg 33, Tel. 02365-503 55 00, 20 Uhr, bis 11. März, Restkarten ab 31,95 Euro