Ausflugs-Tipp

Auf den Spuren der Braukunst in Pankow

Der Bierhimmel lag einst im heutigen Bezirk Pankow. Insgesamt 24 Brauereien verarbeiteten hier Hopfen und Malz.

Startpunkt unseres Rundgangs vorbei an den traditionellen Stätten der Braukunst ist der U-Bahnhof Senefelder Platz. Gleich hinter dem Ausgang im Ortsteil Prenzlauer Berg befindet sich der Pfefferberg an der Schönhauser Allee 176. 1841 gründete Joseph Pfeffer dort die Bairischbier-Brauerei mit Biergarten. Es war die erste Brauerei im Nordosten, sie wurde 1919 von Schultheiss übernommen und 1920 stillgelegt. Danach zog zunächst eine Schokoladen-, dann eine Brotfabrik ein. Nach 1945 nutzte die Zeitung "Neues Deutschland" den Gebäudekomplex. Nach 1990 entwickelte die Stiftung Pfefferberg das Areal zu einem Kultur- und Gewerbezentrum. Die ehemalige Königstadt-Brauerei liegt fast gegenüber an der Saarbrücker Straße 18-24. 1850 gegründet, 1921 stillgelegt. Am Eingangstor ist auf der Rückseite der Säulen die Geschichte von Königstadt nachzulesen. So zählten Kino, Champignonzucht, Tschechische Botschaft und Ministerium für Staatssicherheit zu den Nachnutzern.

Ein Stück weiter auf der gegenüberliegenden Seite fallen die Klinkerbauten der Bötzow-Brauerei ins Auge. Das riesige Areal des einstigen Hoflieferanten Julius Bötzow (1864-1949) zieht sich entlang der Prenzlauer Allee hin bis zur Metzer Straße. Über Straßburger und Belforter Straße, wo die Stadtbrauerei (1884-1917) beheimatet war, folgen wir der Kollwitzstraße in nördlicher Richtung. Im Haus Nummer 54 steht im Hof eine alte Remise, Bestandteil der Weißenburger Brauerei (1889-94). Im Haus Nummer 78 befand sich die 1897 gegründete Brauerei Marcuse, später Carl Kienz, die 1927 stillgelegt wurde. Über die Sredzkistraße geht es weiter zur Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee 36-39. Namensgeber Jobst Schultheiss braute dort von 1853 bis 1864. Architekt Franz Schwechten erweiterte zwischen 1889 und 1892 das Ensemble. Bis 1969 wurden hier Getränke produziert.

Wir gehen weiter an der Schönhauser Allee entlang. An der Schönhauser Allee 48 residierte von 1897 bis 1914 das Volksbrauhaus. Auf der gegenüberliegenden Seite an der Ecke Milastraße befand sich von 1897 bis 1914 die Groterjan Brauerei. 1921 zog eine Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik in die Räume, später eine Brotfabrik. Der Saalbau diente der Volksbühne lange als Probenraum. Unser Ausflug endet am S- und U-Bahnhof Schönhauser Allee. Wer will, kann noch einen Abstecher in die Thulestraße 48-64 machen. Dort baute Ignatz Nacher sein Brauereiimperium mit der Marke Engelhardt aus. Nacher war jüdische Herkunft, die Nazis zwangen ihn zum Verkauf.