Bühnencheck

Lustig durch das Tal der Tränen

Die Baugrube ist zu klein geraten, die Wasserleitungen sind vertauscht und am Ende überrascht das Klick-Laminat den ohnehin schon traumatisierten Häuslebauer noch mit einer besonders perfiden Pointe. Obwohl Comedian Murat Topal ein unglaubliches Tal der Tränen durchschreiten muss, bevor das Eigenheim steht, entspringt sein Bühnen-Martyrium nicht nur der Fantasie.

"Der Wahrheitsgehalt meiner Geschichten ist höher als man denkt", sagt er. Das verwundert nicht, gilt der 36-Jährige doch seit langem als kluger Alltagsbeobachter, der seine Stories authentisch und ganz entspannt mit viel trockenem Humor erzählt. So auch in seinem aktuellen Programm "Multitool - Der Mann für alle Fälle" in der Ufafabrik.

Besonders wichtig ist dem Comedian das Thema Integration. Auf der Bühne jongliert er dabei gern mit Klischees und Ressentiments. Etwa, wenn er von der türkischen Familie erzählt, die zu Weihnachten Lichterketten ins Fenster hängt, weshalb ihr von der türkischen Community vorgeworfen wird, sie sei komplett assimiliert. Da die Familie aber auch freitags die Moschee besucht, fordern die Deutschen wiederum, sich mehr um Integration zu bemühen. "Man wäre einen Schritt weiter, wenn sich Weihnachtskette und Moscheebesuch nicht mehr widersprechen und für alle normal sein würden. Meiner Meinung nach ist das sehr gut zu vereinbaren", sagt Topal.

Der Comedian, der seinen Polizisten-Job 2007 quittierte, um sich ganz seiner Bühnenkarriere zu widmen, ist selbst eine Integrationsfigur mit Vorbildcharakter: Kreuzberger Ex-Polizist mit Neuköllner Migrationshintergrund, halb deutsch, halb türkisch und mit einer Schwäbin verheiratet.

Was er privat vorlebt, wünscht er sich auch ganz allgemein. Das Zusammenrücken aller Kulturen. Bis dahin zeigt der Comedian in seinem rasanten, witzigen Solo, wie bereichernd so ein freundschaftlich-familiärer Clash sein kann: Bei ihm zuhause setzt er Gästen Currywurst mit Spätzle in Ayran vor.

Ufafabrik Viktoriastraße 10-18, Tempelhof, Tel. 75 50 30, nächste Vorstellungen 1.-5. 3. um 20 Uhr, So. ist Beginn um 19 Uhr, Tickets kosten von 16 bis 19 Euro.