Bühnencheck

Horst Schroth nimmt aufs Korn

Der neueste Schroth geht so: Notar Frankie lebt knapp unterhalb des Existenzmaximums und steht Todesängste aus, denn er ist ein Hypochonder wie er im Buche steht. Vielleicht ginge es ihm besser, wenn er eine Frau fürs Leben gefunden hätte.

So aber baggert er auf der Party zu seinem 65. Geburtstag aus lauter Bammel vor zukünftiger Einsamkeit die 44 Jahre jüngere Olga an. Angesichts eines derart offensichtlichen Mangels an praktischer Intelligenz kann sein bester Freund, Anwalt Nikolaus Niehoff, nur noch genervt die Augen verdrehen.

Da Nick Niehoff seit nunmehr vierzehn Jahren das Bühnen-Alter-Ego von Horst Schroth ist, entspinnt sich aus der Realitätsschieflage des Best-Agers Frankie eine Gesellschaftssatire allerfeinster Machart: "Was weg ist, ist weg" heißt das neue Programm des vielfach preisgekrönten Kabarettisten, das heute Abend Berlin-Premiere bei den Wühlmäusen feiert.

In der Regie von Ulrich Waller erzählt Schroth eine nachgerade irrwitzige Geschichte, die dennoch nah am Alltag ist. Dass Silberlocke Frankie den Verlust seiner Jugend bejammert, schön und gut, Nick ist allerdings weit Handfesteres abhanden gekommen: Sein Auto wurde abgefackelt, mitsamt Laptop und iPhone. Ein Riesenproblem. Kein Back Up, alle Daten weg.

Verlust und die Trauer um vermeintlich verpasste Chancen sind das Grundthema von Schroths sechstem Solo. Die gutbürgerlichen Akademikerkreise, in denen seine Programme stets spielen, bieten auch hier wieder das ideale Setting für ihn: "Die Leute, die etwas besitzen, haben auch die meiste Angst, etwas zu verlieren", sagt Schroth. Doch letztlich geht es ihm um mehr: "In wirtschaftlicher und politischer Hinsicht gibt es einen rasanten Vertrauensverlust", erzählt der Kabarettist. "Eine Dimap-Umfrage ergab kürzlich, dass 95 Prozent der Feuerwehr vertrauen, aber nur sieben Prozent den Politikern, und der Zeiger geht da weiter nach unten."

Bei allem Pessimismus: Auf eines müssen die Zuschauer auch in Zukunft nicht verzichten. Trotz seiner 63 Jahre denkt Horst Schroth gar nicht ans Aufhören: "Rente mit 67 ist für mich kein Thema. Ich mache weiter, solange ich Lust habe."

Die Wühlmäuse Pommernallee 2-4, Charlottenburg, Tel. 30 67 30 11, die nächsten Vorstellungen sind vom 21. bis 25. Februar, jeweils um 20 Uhr, Tickets kosten 20,50-27,50 Euro