Ausflugs-Tipp

Auf den Spuren jüdischen Lebens in Schöneberg

Der U-Bahnhof Rathaus Schöneberg gilt als einer der schönsten Berlins. Er liegt unter der Carl-Zuckmayer-Brücke im Rudolph-Wilde-Park.

Durch große Fenster sieht man in den als englischen Garten gestalteten Teil der Anlage. Auf der Ostseite ist der Hirsch-Brunnen sichtbar, auf dessen Säule eine goldene Plastik des Schöneberger Wappentiers steht.

Im nahen Rathaus läutet mittags um zwölf Uhr die Freiheitsglocke, ein Geschenk der US-Bürger an die Berliner zum Blockade-Ende 1949. Im Hochparterre des Rathauses ist die sehenswerte Dauerausstellung "Wir waren Nachbarn - Biografien jüdischer Zeitzeugen" zu finden. Dort gibt es auch Info-Material zu dem Flächendenkmal "Orte des Erinnerns" rund um den Bayerischen Platz, das an die schrittweise Entrechtung sowie die Deportation und Ermordung der Juden erinnert.

Den ersten Erinnerungs-Tafeln begegnen wir an der Salzburger Straße. Auf der einen Seite der Tafel ist die schematische Darstellung eines Radios zu sehen, auf der Rückseite die Verordnung: "Juden müssen ihre Rundfunkgeräte abgeben. 23. 9. 1939". Wir folgen den Tafeln bis zum Ende des Bayerischen Platzes, biegen rechts in die Westarpstraße ein, die an der Münchener Straße endet. Schräg gegenüber steht ein Denkmal für die Synagoge, die hier einst stand. Dahinter, schon auf dem Hof der angrenzenden Löcknitz-Schule, ist der Grundriss nachgezeichnet. Schüler der fünften und sechsten Klassen setzen sich in Projekten mit dem Schicksal der rund 16 000 Juden auseinander, die bis 1933 im Einzugsgebiet der Schule lebten. Dabei beschriftet jeder Schüler einen Backstein als Erweiterung einer "Mauer des Gedenkens", die hinter dem Synagogendenkmal auf dem Schulgelände steht.

In nördlicher Richtung folgen wir der Münchener Straße und den Tafeln der "Orte des Erinnerns". Plaketten an Häusern nennen einstige prominente Mieter. Bronzefarbene "Stolpersteine" auf dem Pflaster skizzieren das Schicksal der von den Nazis ermordeten Hausbewohner.

An der Ecke Hohenstaufenstraße steht ein markanter Schulbau mit zwei mächtigen Türmen: Die Georg-von-Giesche-Oberschule. Diese war einst das Werner-von-Siemens-Realgymnasium, das auch der Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki besuchte. Die Schule wurde wegen des hohen Anteils jüdischer Schüler 1935 von deutschen Behörden geschlossen.

Geradeaus geht es weiter zum Viktoria-Luise-Platz, zu einem der schönsten Plätze Berlins. An der Nordseite liegt der Lette-Verein, eine Schule für hauswirtschaftliche und künstlerische Berufe. Der Weg führt weiter durch die Welserstraße bis zum Wittenbergplatz, zu unserem Ziel.