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Thüringen in Berlin: Hier geht's um mehr als die Wurst

Als "Grünes Herz Deutschlands" wird Thüringen gern beworben. Oder auch als "Land des guten Geschmacks". Bei Urlaubern bekannt und beliebt sind Thüringer Wald und Rennsteig.

Kulturfreunde schwärmen von Weimar, der Wartburg bei Eisenach und dem frühbarocken Residenzschloss von Gotha.

Kommt man unter der Woche mittags zur Landesvertretung, zieht von dem in freundlich hellem Thüringer Travertin verkleideten Gebäude im Bauhaus-Stil verlockender Bratwurstduft in die Nase. An fünf Tagen in der Woche befeuert ein Holzkohlegrill neben dem Eingang des Restaurants "Der Thüringer" im Erdgeschoss der Landesvertretung Fleisch. "Die Würste sind der Renner", sagt Chefkoch Christoph Meier, der das modern eingerichtete Lokal von der Landesvertretung gepachtet hat. Rund zweihundert Bratwürste pro Mittag werden verzehrt. Männer im Anzug, Taxifahrer, Wachschützer, Touristen, Botschaftsangestellte und Passanten vereint der Biss in die Wurst. Die kommt aus Aschara, und schmeckt ausgezeichnet - ob im Brötchen mit Senf vom Grill für zwei Euro oder in zweifacher Ausführung mit Sauerkraut und Stampfkartoffeln für das Vierfache im Lokal.

Neben der Wurst liegen "Rostbrätel" auf dem Grill. Ein Berliner würde sie Nackensteaks nennen. "Das sagen Sie aber besser nicht in Thüringen", sagt Dirk Markgraf, der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Mitarbeiter der Landesvertretung. Der Jenaer schwärmt von dem in Schwarzbier, Thüringer Senf, Salz, Pfeffer und Zwiebeln marinierten und gegrillten Fleisch. Ähnlich eingelegt wird der Mutzbraten, ein etwa handgroßes Stück aus Schulter oder Kamm vom Schwein, über Buchenholzrauch gegart. "Das Wort Mutz bezeichnet im Altenburger Land ein Tier ohne langen Schwanz", sagt Dirk Markgraf. Mit Tieren für den Grill kennt sich der Thüringer aus. Weil er begeisterter Grillmeister ist. Bereits im Januar habe er mit Familie und Freunden "angegrillt" . Traditionell werde zu dem über Holzkohle Gebratenem frisches Brot oder Kartoffelsalat gegessen.

Überaus wichtig sei auch der Senf. Entweder Erfurter Bornsenf, oder Altenburger Senf. Während Dirk Markgraf den etwas schärferen Altenburger schätzt, präferiert seine Kollegin Christina Schwetje den Klassiker aus Erfurt. "Der ist ein bisschen milder, mit leicht süßer Note", sagt die Referentin.

Zusammen mit rund zwei Dutzend weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt sie die Lobbyarbeit Thüringens in der Hauptstadt. Neben der politischen Arbeit im Bundesrat, der Kontaktpflege zu den Mitgliedern der Bundestages und dem Diplomatischen Corps gehört die "Schaufenster-Funktion" Thüringens zum Tagesgeschäft. 15 000 Besucherinnen und Besucher kommen jährlich in die Landesvertretung Thüringens. Im Keller der Landesvertretung steht ein innenarchitektonisches Highlight, die originale Blockbohlenstube eines Gasthauses aus dem Jahr 1794. "Sie lagerte in einem Depot. Beim Bau der Landesvertretung kam die Idee, diese Stube in die moderne Architektur zu integrieren", sagt Dirk Markgraf. Bei Führungen können Besucher die Stube sehen. Beziehungsweise wird der Bevollmächtigte seine Gäste hier zum Essen begrüßen.

Beispielweise einem deftigen Schweinebraten mit vorzüglicher brauner Soße und köstlichen Klößen. Die aus fein geriebenen Kartoffeln "gedrehten" Klöße gehören zum kulinarischen Nationalheiligtum der Thüringer. "Selbstgemacht müssen sie sein", betont Koch Christoph Meier, der sie genau so in seinem Restaurant serviert. "Ein Sonntag ohne Klöße verlöre viel von seiner Größe", dichtete einst der Thüringer Volksmund. Die aus einem Teig aus zwei Drittel rohen geriebenen und einem Drittel gekochten Kartoffeln hergestellten Kugeln hören auf mehr als ein Dutzend Namen. Unter anderem auch auf "Hütes". Dieser Begriff geht angeblich zurück auf das Ende des Satzes "wenn du das richtige Rezept hast für Thüringer Klöße hast, hüte es".