Film: Darkest Hour

Außerirdische Bedrohung

Früher waren B-Pictures billig produzierte Genrefilme, die nicht durch aufwendige Schauwerte oder substanzielle Geschichten überzeugen konnten, sondern durch originelle Variation von Genremustern. Heutzutage sind solche Filme rar, zumindest im Kino.

Und so ist Chris Goraks "Darkest Hour", den der Verleih sehr unliebsam zwischen den Jahren und zwischen vielen großen, teuren Hollywood-Action-Filmen ins Kino wirft, ein ungewöhnlicher Anachronismus. Mit einem Budget von gut 40 Millionen Dollar ist dies zwar alles andere als ein billiger Film, inhaltlich aber befindet man sich ganz im Land des Trashs.

Die Situation ist schnell etabliert: Einige junge amerikanische Erwachsene finden sich in Moskau wieder, warum, wird kurz erklärt, ist aber irrelevant. Ein elektrischer Sturm setzt erst das Stromnetz außer Kraft und enthüllt dann die außerirdische Bedrohung: Eine Art Todeswolke zieht durch die Straßen und vaporisiert jedwedes Leben. Die Rettung wird zunächst patriotisch in der amerikanischen Botschaft vermutet, doch erst eine Gruppe russischer Paramilitärs, die sich schnell auf die neue Situation eingestellt hat, leitet unsere Helden zu einem rettenden U-Boot in den Gewässern der Moskwa.

Das hört sich nicht nur absurd an, das ist es auch, macht aber Spaß, weil keinerlei Ironie im Spiel ist. Vom hysterischen Schreien der Frauen über die Machosprüche der Männer bis zur sich langsam entwickelnden Liebesgeschichte: Kein Genremuster wird ausgelassen.

Doch der eigentliche Star des Films ist Moskau: Angesichts von Szenen, in denen der Rote Platz menschenleer ist, zehnspurige Stadtautobahnen mit Autowracks übersät sind, Flugzeuge in stalinistischer Machtarchitektur stecken, fragt man sich, ob Putin persönlich die Filmemacher unterstützt und die zeitweilige Evakuierung der Metropole angeordnet hat.

Selbst "Mission: Impossible - Phantom Protokoll" wusste Moskau nicht so eindrucksvoll zu nutzen wie dieser kleine, rohe Film. Der natürlich keine Bedeutung hat, der nichts über die Conditio humana zu sagen hat, der einfach nur 90 Minuten unterhalten will - was ihm in bester B-Picture-Tradition aufs Beste gelingt.

Thriller: USA 2011, 89 Min., von Chris Gorak, mit Emile Hirsch, Rachael Taylor, Olivia Thirlby, Joel Kinnaman, Max Minghella, Dato Bakhtadze

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