Film: Und dann der Regen

Das Erbe des Kolumbus

Das Geld ist knapp und so wählt Nachwuchsregisseur Sebastián (Gael Garcia Bernal) das bolivianische Cochabamba, um hier seinen Film über Christopher Columbus und die Kolonialisierung Südamerikas zu drehen. Ein ambitioniertes Historiendrama soll es werden, das endlich den Mythos vom ebenso ehren- wie heldenhaften Seefahrer zerstört und zeigt, wie Sebastiáns Landsmänner vor 500 Jahren zusammen mit der katholischen Kirche die amerikanischen Ureinwohner ausgebeutet haben.

Aus Spanien hat Sebastián auch seine Filmcrew, Schauspieler für die Erobererrollen und seinen Produzenten Costa (Luis Tosar) mitgebracht, der mit berufsbedingtem Zynismus das Lohnniveau Boliviens nutzt, um die Kosten niedrig zu halten. Echte Indios sollen ihre Vorfahren spielen. Nur mit der Besetzung des Anführers ist der Produzent nicht einverstanden, doch Sebastián sieht in dem charismatischen und leicht aufsässigen Indio Daniel (Juan Carlos Aduviri) die Idealbesetzung und setzt sich durch.

Zunächst verlaufen die Dreharbeiten auch sehr positiv. Doch als die Einwohner der Region gegen die geplante Privatisierung des Trinkwassers durch ausländische Investoren protestieren und schließlich Daniel, der Hauptdarsteller des Films, als einer der Initiatoren des zunehmend gewalttätigeren Aufstands festgenommen wird, steht die Produktion kurz vor dem Abbruch. Mit dem Verständnis für die Situation der Indios ist es bei den selbsternannten Gutmenschen aus Europa da nicht mehr weit her.

In ihrem auf der Berlinale ausgezeichneten Ausbeuterdrama verknüpft Regisseurin Icía Bollaín die Vergangenheit des Films im Film mit der Gegenwart der Dreharbeiten und der vor elf Jahren tatsächlich stattgefundenen Auseinandersetzung um die Wasserrechte in Chochabamba. Wenn die Ureinwohner einmal als Film-Indios von den spanischen Besatzern gegängelt werden und danach vom westlichen Produzenten mit Hungerlöhnen abgespeist werden, reflektiert der Film eine imperialistische Tradition, die sich in dem halben Jahrtausend seit Kolumbus nicht wesentlich geändert hat. Nur sind die Indios nicht mehr hilflose und genügsame Opfer, sondern fordern selbstbewusst ihre Rechte ein.

Schwarzweißdenken, das hat Drehbuchautor Paul Laverty in seinen Sozialdramen für Ken Loach bewiesen, ist seine Sache nicht. Enttäuschend ist lediglich die recht simple und wenig glaubwürdige Auflösung, wenn die Situation schließlich in bürgerkriegsähnlichen Straßenkämpfen eskaliert und aus dem profitorientierten Produzenten aus Europa eine moralisch geläuterte Einmannarmee wird.

Historiendrama: E/F/MEX 2010, 104 Min., von Icía Bollaín, mit Gael Garcia Bernal, Luis Tosar, Juan Carlos Aduviri

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