Ausflugstipp

Unterwegs zu Spielzeugstadt und Tuschkastensiedlung

Vom S-Bahnhof Grünau (S46, S8 und S85) sind es wenige hundert Meter bis zur Gartenstadt Falkenberg. Man muss nur der Bruno-Taut-Straße (1) folgen. Erbaut wurde die Siedlung in den Jahren 1913/14 auf Betreiben der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Gartenvorstadt Groß-Berlin.

Baumeister war der 1880 in Königsberg geborene Kaufmannssohn Bruno Taut. Der schuf am Falkenberg etwas für diese Zeit wahrhaft Revolutionäres. Gartenstädte, eine Erfindung der Engländer, an sich waren schon etwas Neues, doch das, was Taut da baute, spaltete die Gemüter. Bald schon hatten die in solchen Dingen bekanntlich stets einfallsreichen Berliner einen neuen Begriff gefunden: "Tuschkastensiedlung". Und jeder konnte sich nun aussuchen, ob das liebevoll oder eher abwertend gemeint war. Seit Juli 2008 gehört der Falkenberg ebenso wie fünf weitere Berliner Wohnsiedlungen der Moderne zum Unesco-Weltkulturerbe.

134 Wohnungen baute Bruno Taut. Ein Fragment nur, denn vorgesehen waren insgesamt 1500 Häuser für mehr als 7000 Bewohner. So hat es wohl seine Berechtigung, von einem Kleinod zu sprechen. Unseren Rundgang beginnen wir im Gartenstadtweg (2), der gesäumt ist von terrassierten Gärten und Hausfassaden, die so lustig farbig und verspielt sind, dass man glauben könnte, hier hätten die Architekten Friedensreich Hundertwasser und Antoni Gaudi gemeinsam Hand angelegt.

Schwarz, blau oder rot sind die Häuserwände, die Fensterleibungen leuchten rosa und manche Haustüren erinnern an überdimensionierte Schachbretter. Rote Biberschanzziegel decken die Dächer, Fensterbänke sind aus Zinkblech, die Dachrinnen schwingen kühn um die Gesimse, Fensterläden wirken wie Schmuckstücke an den Fassaden.

Bruno Taut muss seinen Spaß daran gehabt haben. Und die Bewohner haben es angenommen. Noch heute ist das genossenschaftliche Eigentum bei den Mietern hoch begehrt. Wer hier wohnt, mag nicht mehr ausziehen. Und das nicht nur der günstigen Mieten wegen.

Wohl auch deshalb soll nun weitergebaut werden. Hinter Tauts Gartenstadt sollen - so die Planung - 1400 Familienwohnungen in Genossenschaftsbesitz entstehen. Viel Grün, wenig Verkehr, stadtnahes Wohnen versprechen die Projektanten ihren Mietern auf großen Tafeln am Ende des Gartenstadtweges. Das Konzept dürfte aufgehen. Es wäre eine gelungene Symbiose mit dem denkmalgeschützten Bestand, der wie eine Spielzeugstadt wirkt. Nutzt man die schmalen Wege, kommt man vom Gartenstadtweg zum Akazienhof (3). Die kleinen Reihenhäuser hier haben nur Parterre und Dachgeschoss. Gerade ist man dabei, Gehwege und Fahrbahn originalgetreu wiederherzustellen.

Bruno Taut hätte seine Freude daran. Er starb am 24. Dezember 1938 im türkischen Asyl. Begraben ist er in Istanbul. Mit der Gartenstadt hatte sich Taut früh schon ein Denkmal gesetzt.