Best of Berlin

Blutwurst mit Glamour

Berlin kann beides: Leber, Eisbein, Schlachteplatte - typisch deftig zubereitet. Und wer die Klassiker leicht und weltstädtisch mag, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Eine Auswahl

Kreuzberg: Knusperstulle mit gebratener Leber

1. Ein typisches Berliner Restaurant ist das "Volt" nicht. Aber Küchenchef Matthias Gleiß, Aufsteiger des Jahres bei den Berliner Meisterköchen, ist Fan der regionalen Küche. Und so setzt er nach dem Weihnachtsgeschäft regelmäßig wieder seine "Kreuzberger Stulle" auf die Karte. Hinter dem Begriff verbirgt sich gebratene Leber mit hauchdünnem, geröstetem Brot - zeitgenössisch zubereitet, so dass der Gaumen beglückt, der Magen aber nicht durch unmäßige Portionsgrößen überfordert wird. Auch Königsberger Klopse und Blutwurst gehören zu seinen Favoriten. Die Rezepte stammen aus dem handgeschriebenen Kochbuch seiner Oma. Gleiß aber nimmt ihnen die Deftigkeit.

Volt Paul-Lincke-Ufer 21, Kreuzberg, Bus M29 Ohlauer Straße, Mo.-Sbd. 18-24 Uhr, Tel. 61 07 40 33, www.restaurant-volt.de

Friedrichshain: Dienstags wird mitgeholfen

2. Wenn deutsche Gemütlichkeit in Friedrichshain zu finden ist, dann gewürzt mit Szene-Einflüssen. Seit vier Jahren gibt es die Eck-Speisewirtschaft mit Hirschgeweihen, Mustertapete, Stehlampen und Uralt-Sesseln. Zu den Hauptgerichten von neun bis 14,50 Euro gehören Klassiker wie Berliner Leber mit Stampfkartoffeln, Boulette mit buntem Gemüse oder im Winter die Wirsingkohlroulade. Dienstags ist Familientag, dann kosten die Hauptgänge nur sechs Euro, dafür aber muss mitgeholfen werden: Man bestellt am Tresen und holt sein Gericht an der Küchenausgabe ab.

Kurhaus Korsakow Grünberger Str. 81, Friedrichshain, U5 Samariter Straße, Di.-Fr. ab 17, Sbd.+So. ab 9 Uhr, Tel. 54 73 77 86, kurhaus-korsakow.de

Prenzlauer Berg: Eisbein nach altem Rezept

3. Seit fast hundert Jahren gibt es das Metzer Eck, im Sommer 1913 wurde es eröffnet und bis heute ist es in Familienbesitz. Aus der Familie stammen denn auch die Rezepte, so für das Eisbein mit Sauerkraut, das im Winterhalbjahr am Wochenende auf der Karte steht. Maximal 12,50 Euro kosten die Hauptgerichte, die Inhaberin Sylvia Falkner in ihrer 45-Sitzplatz-großen Gaststätte auf die Karte setzt. Darunter den Klassiker Currywurst mit Kartoffelsalat, Kassler, Brathering oder eine Hackepeter-Stulle. Und das bis Küchenschluss um 0.30 Uhr.

Metzer Eck Metzer Str. 33, Prenzlauer Berg, U2 Senefelder Platz , Mo.-Fr. 16-1 Uhr, Sbd. 18-1 Uhr, Tel. 442 76 56, www.metzer-eck.de

Charlottenburg: Institution nach Hausfrauenart

4. Anna Stanscheck war die "dicke Wirtin" in Persona. Eine Frau mit einem Herzen, so groß wie eine Eintopfschüssel. Das Alt-Berliner Kneipen-Restaurant am Savignyplatz trägt ihren Namen. Der aktuelle Inhaber Uwe Drees setzt weiterhin auf deftige Schmankerl wie Matjes, Königsberger Klopse, Berliner Leber, Bouletten und natürlich Currywurst mit Kartoffelsalat.

Dicke Wirtin Carmerstr. 9, Charlottenburg, S5, 7, 9, 75 Savignyplatz, tägl. ab 12 Uhr, Küche bis 24 Uhr, Tel. 312 49 52, www.dicke-wirtin.de

Charlottenburg: Boulette rund um die Uhr

5. Wo Bier draufsteht, ist auch die Berliner Boulette nicht weit. Die wird in der Groß-Speisestube, immerhin 600 Plätze, mit Rotkohl und Petersilienkartoffeln zum Preis von 12,50 Euro serviert. 1914 eröffnet, werden die Rezepte an die nächste Generation weitergegeben, darunter natürlich auch das fürs klassische Eisbein mit Sauerkraut. Auch die Currywurst mit Pommes steht hier auf der Speisekarte. Da die Küche rund um die Uhr arbeitet, gibt es eine gute Stärkung für Frühaufsteher, Nachtschwärmer und die zahlreichen Touristen. Man rühmt sich, das frischeste Kindl-Bier aus dem Hahn zu zapfen, es kommt aus einem 1000-Liter-Fass.

Alt Berliner Biersalon Kurfürstendamm 225/226, Charlottenburg, U1, 9 Kurfürstendamm, rund um die Uhr geöffnet (außer 24.12.), Tel. 88 43 99 30, www.alt-berliner-biersalon.de

Prenzlauer Berg: Kneipenflair und Hausmannskost

6. Das Lokal ist gute alte Eckkneipe und Speisewirtschaft zugleich, in der "Futtern wie bei Muttern" Programm ist. "Zum Schusterjungen" hat eine lange Geschichte. Immer wieder gibt es neue Betreiber. Der Name ist so ehrlich wie die Speisekarte, deftige, gut bürgerliche Kost wie Sauerbraten, Rinderroulade oder Kartoffelpüree mit Mischgemüse. Vieles unter zehn Euro kommt auf die rustikalen Tische. Zum Verdauen gibt es mit Mampe Halb und Halb einen echten Hauptstadt-Magenbitter. Die knapp 60 Sitzplätze sind heiß begehrt. Reservieren ist ratsam.

Zum Schusterjungen Danziger Str. 9, Prenzlauer Berg, U2 Eberswalder Straße, tägl. 11-24 Uhr, Tel. 442 76 54

Tiergarten: Hier gibt es Omas Kartoffelsuppe

7. Inge Masche hat für ihre Gäste "Kochen wie zu Hause" zu ihrem Motto gemacht. Seit mehr als zehn Jahren betreibt sie die Gaststätte mit Berliner und deutscher Küche, steht auch selbst am Herd. Klassiker sind Haxe, Eisbein, Königsberger Klopse und Rinderleber. Rezepte wie "Omas Kartoffelsuppe" stammen tatsächlich von der Großmutter. In der Gaststätte mit den rund 70 Plätzen ist der Mittagstisch mit Hauptgerichten um sechs Euro besonders beliebt.

Gaststätte Ambrosius Einemstr. 14, Tiergarten, U1, 2, 3, 4 Nollendorfplatz, tägl. 8-24 Uhr, Tel. 264 05 26, www.gaststaette-ambrosius.de

Kreuzberg: Rippenspeer und Schlachteplatte

8. Gründerzeitmobiliar, lackierte Wandfliesen und alte Glasmalereien sorgen in der 1902 eröffneten und im vergangenen Sommer renovierten Wirtshaus-Institution für eine kleine Zeitreise. Dort erfährt man auch, dass die Berliner Küche eigentlich aus Schlesien und dem Oderbruch kommt. Weil einer der beiden Betreiber Westfale ist, fließt auch die dortige Art zu kochen in die Karte ein. So gesellen sich zu Rippenspeer, Eisbein und Witwe Bolte's Schlachteplatte auch Westfälische Mettenden. Wer in Berlin aufgewachsen ist, schätzt auch das Hoppel-Poppel (Bratkartoffeln, Bratenreste, Ei). Das schmeckt am besten mit einer Kreuzberger Molle.

Max und Moritz Oranienstr. 162, Kreuzberg, U8 Moritzplatz, tägl. ab 17 Uhr, Küche bis Tel.24 Uhr, Tel. 69 51 59 11, www.maxundmoritzberlin.de

Schöneberg: Kalbsleber im 21. Jahrhundert

9. Der Brenner-Pass verbindet die Alpenregionen. Auf kulinarische Weise bringt Küchenchef Robert Lasarow im "Brenner" die dortige Küche mit jener Berlins zusammen. In den ehemaligen Räumen des Restaurants Berlin-Sankt Moritz ist die Leber ein Muss. Sie wird nicht berlinisch-deftig sondern sehr weltstädtisch-elegant zubereitet, stammt vom Kalb, und kommt mit Zwiebelsud, karamellisierten Äpfeln und frisch gestampftem Kartoffelpüree auf den Tisch. Graupen lernt man als Gericht mit Gourmet-Niveau kennen, wenn Lasarow sie wie ein Risotto zubereitet.

Brenner Regensburger Str. 7, Schöneberg, U4 Viktoria-Luise-Platz, Mo.-Sbd. ab 18 Uhr, Tel. 23 62 44 70, www.restaurant-brenner.de