Berlin genießen

Nützliches und Nerviges im Härtetest des Sternekochs

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Ein Hobbykoch, der etwas auf sich hält, pflegt einen Hang zur Perfektion. Er fährt durch die halbe Stadt, um beim Fleischer seines Vertrauens Steaks zu kaufen und zahlt beim Gewürzhändler zehn Euro für ein Döschen Vanille-Salz. Und auch hochwertiges und funktionales Küchenwerkzeug ist angesagt. Alle Jahre wieder kommen neuartige Geräte auf den Markt. Sternekoch Thomas Kammeier aus dem "Hugos" im Hotel Interconti hat einige für uns getestet.

Der Knoblauchschneider von Rösle ist ein chromblitzender Zylinder, der schwer in der Hand liegt. Knoblauch zu schneiden, statt ihn zu pressen, macht Sinn, da so mehr Aromastoffe erhalten bleiben. Der Küchenchef steckt Knoblauchzehen in den Behälter, dreht am Zylinder. Zunächst passiert nichts. Kammeier dreht weiter, dann geht es los: Leise rieseln Knoblauchwürfel. Die Zehen lassen sich problemlos durch ein Gitter drücken, im Gerät bleiben wenige Rückstände. "Die Würfel sehen gut aus", so Kammeier. "Allerdings sind sie etwas glasig. Die Flüssigkeit ist ausgetreten, weil sie leicht gequetscht wurden." Das Urteil fällt dennoch milde aus: "Wir brauchen so etwas nicht, für Hobbyköche aber durchaus geeignet."

Rösle 12891 Knoblauchschneider 52,45 Euro, etwa im Küchenladen, Knesebeckstr. 26, Charlottenburg

Grundsolide kommt die Kartoffelpresse der Solinger Firma "chef'n" daher. Laut Händlerangabe spart man 65 Prozent der Kraft beim Pressen von Kartoffeln und Spaghetti-Eis. "Zuhause nehme ich für Kartoffelbrei einen Stampfer, im Restaurant benutzen wir allerdings auch eine Presse und passieren den Brei erneut durch ein Sieb, damit er noch feiner wird", erklärt der Küchenchef und drückt einige Kartoffeln in den Metallbehälter. Zarte Brei-Schlangen dringen scheinbar mühelos durch die schmalen Löcher. "Das Gerät ist praktisch und stabil, das Ergebnis kann sich sehen lassen", sagt Kammeier. Außerdem gefällt ihm, dass sich der gelöcherte Metalleinsatz zum Reinigen entnehmen lässt. "Für uns wäre sie zu klein, für zuhause ist die Presse prima."

Kartoffelpresse Fresh Force 39,90 Euro, etwa bei "cookmal", Walther-Schreiber-Platz 1, Steglitz

Wer sich schon einmal an einem Risotto versucht hat, weiß, dass dabei einiges schief gehen kann. Manchmal bleiben die Reiskörner innen unangenehm hart, mal erinnert das Ergebnis an Tapetenkleister. Im schlimmsten Fall kommt beides zusammen. "Man muss ordentlich rühren, damit es etwas wird", sagt Kammeier. Der spezielle Risottotopf "La Risottiera" von Lagostina ist neu auf dem deutschen Markt und will durch Form und Material für eine optimale Hitzeverteilung sorgen. "Er hat einen dicken Boden und genau die richtige Größe, wenn man für vier bis sechs Leute Risotto kochen möchte", so Kammeier. "Mit dem schweren Holzdeckel erinnert er an die alten Töpfe, die man früher zum Warmhalten ins Bett steckte." Das Risotto schmeckt und hat eine "schön schlotzige Konsistenz. "Das funktioniert bei uns auch in anderen Töpfen", sagt Kammeier. "Allerdings ist das ein wirklich schönes Produkt, das einen sehr hochwertigen Eindruck macht." Über den mitgelieferten Risottolöffel aus Metall und Silikon urteilt er aber: "Das ist ein Plastikhuber. Bei Kochlöffeln vertraue ich nur Holz."

La Risottiera 269,99 Euro, etwa bei Home & Cook Shop, Alter Spandauer Weg 1, 14641 Wustermark

Als nächstes hält Kammeier ein funkelndes Gerät hoch, das an eine silberne Spindel erinnert: eine Zitruspresse. Kammeier nimmt eine Zitronenhälfte in die Hand und dreht das Design-Objekt hinein. Zitronensaft tröpfelt in eine Chromschüssel. "Es funktioniert", sagt Kammeier um sofort zu beanstanden, dass der Saft nirgends aufgefangen wird und ihm beim Pressen über die Finger läuft. "Genau das richtige Gerät für alle, die gerne auch das das Fruchtfleisch und die Kerne im Essen haben möchten", lautet sein Fazit. "Durchgefallen. Aber es sieht wunderschön aus und ist eine Zierde im Regal."

Alessi My Squeeze um 44 Euro, etwa im Alessi Shop des KaDeWe, Tauentzienstraße 21-24, Schöneberg

Ein zierliches Gerät mit dem gigantischen Namen "Chroma ProCute A-06 Titanium Gewürzschneider XL" ist bereits ein guter Bekannter in der Hugos-Küche. Sekundenschnell würde das Titan-Schneidewerk "wie eine Fräse" alle möglichen Gewürze vom Korianderkorn bis zur Nelke pulverisieren. Anders als bei Gewürzmühlen werden die Körner nicht gequetscht, sondern geschnitten. "Dadurch werden mehr ätherische Öle und damit mehr Aromastoffe freigesetzt", sagt Kammeier. Wacholderbeeren sollte man besser vorher grob zerkleinern. Außerdem darf man die fertig gemahlenen Gewürze nicht zu lange im Plastikbehälter lassen. "Die ätherischen Öle greifen sonst die Oberfläche an und das durchsichtige Plastikteil beschlägt." Sein Urteil: Das Teil lohnt sich."

A-06 Titanium Gewürzschneider XL 169 Euro, z.B. bei Topf & Pfanne, Kurfürstendamm 97-98, Charlottenburg