Unter 20 Euro

Eisbein, Kraut und Erbspüree im Touristenhandy

Aschinger, dieser Name hatte einen guten Klang in Berlin. Preiswertes Essen und Trinken schnell an die Kundschaft zu bringen war das Erfolgsrezept der Brüder Karl und August Aschinger bei der Gründung des Unternehmens 1892. Bei den Berlinern besonders beliebt waren preiswerte, deftige Eintöpfe, zu denen es unlimitierte Mengen Schrippen gab.

Mit mehr als 5000 Mitarbeitern und mehr als hundert Cafés, Restaurants, Bars und Hotels gehörten die Aschingers vor dem Zweiten Weltkrieg zu den größten Gastronomen Europas. Ein Imperium, das "im Wesentlichen durch den Weltkrieg zerstört wurde. Dieser Tradition wird auch in diesem Lokal entsprochen". So verschwurbelt steht es in der Speisekarte. Vermutlich soll es bedeuten, das neue Aschinger stehe gastronomisch in der Tradition des alten.

Mehr als 150 Holzstühle mit orangefarbenen Sitzflächen finden sich in den lichtdurchfluteten S-Bahn-Bögen, wo zuvor die Restaurantkette Hooters mit Hamburgern und knapp bekleideten Kellnerinnen gescheitert ist. Von Hooters stammen möglicherweise die träge kreisenden Ventilatoren, die so gar nicht zur Möblierung passen, die an Frühstücksraum-Ambiente österreichischer Hotels in den 70er-Jahren erinnert.

Mit Speisenkarten in elf Sprachen versucht man Touristen anzusprechen, die preiswerte Berliner und deutsche Spezialitäten zu Kampfpreisen bestellen können, etwa Hackbraten mit Rosenkohl und Salzkartoffeln für 4,99 Euro.

Beim Besuch vergnügten sich am Nebentisch zwei junge russische Paare bei viel Aschinger Bier (0,3 Liter/2,30 Euro). Mit ihren Handys fotografierten und filmten sie eine Portion Berliner Eisbein mit Erbspüree und Kraut (8,88 Euro). Die Berliner Kartoffelsuppe kam stramm gewürzt mit gebratenen Würstchenstücken zum Tisch (3,99 Euro). Ebenso viel kosten auch der Löffelerbseneintopf oder der Linseneintopf - jeweils mit Wurst. Dazu passt auf jeden Fall auch das Aschinger Pils. Das schmeckte auch zur passablen Berliner Bulette mit ordentlichem Kartoffelsalat (4,88 Euro).

Aschinger Straße des 17. Juni 131, Charlottenburg, Tel. 54 59 20 42, Di.-So. 11-23 Uhr

Bewertung

Geschmack ***

Ambiente **

Service ****

Preis/Leistung ****

Gesamt ***

Höchstwertung: *****