Morgenpostmenü

Weltbürger am Herd

Der Kurfürstendamm war 2011 unbestritten der Star der City West. Mit Veranstaltungen wie einem Autokorso, dem Kellnerlauf, fliegenden Fantasiefiguren, Festen und Einkaufsevents lockte der Boulevard anlässlich seines 125. Geburtstages auf den auf 3,5 Kilometern zwischen Breitscheidplatz und Hallensee zusätzlich Tausende Schaulustige und Touristen an.

Auch kulinarisch hat das Morgenpost-Menü 2011 sein besonderes Augenmerk auf die immer besser werdende Gastronomie rund um den Kurfürstendamm gelegt. So waren wir im Februar zu Gast bei Küchenchef Frank Hokamp im "Kempinski Grill" im Hotel Bristol Kempinski, im April bei Dirk Güttes in der "Eiffel" und im Juni im "Wilsons" an der Nürnberger Straße bei Christoph Trampler.

Zum Ende des Jubiläumsjahres kommen wir an den Kudamm zurück, vielleicht zu dessen schönster Zeit, der Adventszeit, wenn er festlich beleuchtet ist und zum Weihnachtseinkauf und zum abendlichen Spaziergang einlädt. An gleicher Stelle, wo wir im Februar den kulinarischen Kudammstreifzug begonnen haben, enden wir im Dezember: im Hotel Bristol Kempinski, das im kommenden Jahr seinen 60. Geburtstag feiert.

Auf Gourmetniveau

Allerdings geht es diesmal nicht in das luxuriöse Hotelrestaurant "Kempinski Grill", sondern in die weltstädtische Boulevard-Brasserie "Reinhard's" direkt an der Ecke zur Fasanenstraße mit einzigartigem Blick von Erdgeschoss und Beletage auf den Kurfürstendamm. Das elegante Bistro in klassischen Rottönen und mit viel Messing, dass man sich auch gut an den Champs-Élysées in Paris vorstellen könnte, gehört zwar zum Bristol-Komplex, ist aber verpachtet und wird von der Rollenhagen Gastronomie GmbH betrieben. Es gibt in Berlin noch zwei weitere "Reinhard's". Jenes im Nikolaiviertel in Mitte sowie das Landhaus an der Koenigsallee in Grunewald.

Rümpfte man in den vergangen Jahren oft noch die Nase über die mitunter nur mittelmäßige Gastronomie am und um den Kurfürstendamm, zeigt sich die Küchenleistung in vielen Restaurants deutlich verbessert, vielerorts gar auf Gourmetniveau. Wie im "Reinhard's", das nicht eine schnelle, unambitionierte Touristenschwemme sein will, sondern ein kulinarischer Wohlfühlort in bester City-Lage. Den Grundstein dafür hat zweifellos der erfahrene Küchenchef Pablo Löhle gelegt, der einst das "Vox" im Hyatt in die Oberklasse der Hauptstadtgastronomie führte. Jetzt ist ihm das auch mit dem "Reinhard's" geglückt, das auch wegen der ausgezeichneten Küche von sich reden macht.

Da Löhles Familie seit einigen Monaten in Basel eine neue Heimat gefunden hat, pendelt Löhle jetzt tageweise zwischen der Schweiz und Berlin. Seine Besuche im "Reinhard's" werden immer seltener. Denn Sorgen um den Zustand der Küche braucht er sich nicht wirklich zu machen. Mit dem jungen Österreicher Felix Hafner hat Löhle einen engagierten und talentierten Vollblut-Küchenchef gefunden, der mit guten Produkten, einfache und gute Gerichte zubereitet. "Ich versuche, durch verschiede Aromen und Texturen ein komplexes Geschmackserlebnis zu erreichen und dabei die Produkte so einfach wie möglich zu lassen", sagt der 31-Jährige, der zuvor in Frankreich, den USA und Österreich, unter anderem auch bei einigen Sterneköchen gearbeitet hat. Was er bei seinen Studien der internationalen Küchen gelernt hat, davon können sich die Leser der Berliner Morgenpost beim festlichen Menü im Dezember genussvoll einen Eindruck verschaffen.

Bereits beim ersten Gang kommt mit dem Kaisergranat im Fischsud mit zweierlei Sellerie ein außergewöhnliches und zugleich wunderbares Gericht auf den Tisch. Das bissfeste Krustentier und der knackige Sellerie passen gut zu dem aromatischen Sud. Die Weinauswahl zum Menü liegt in den Händen des erfahrenen Restaurantleiters André Krüger, der sich zum Start für einen animierenden 2009er Blauschiefer Mosel-Riesling von Dr. Loosen entscheidet.

Erdige Aromen werden im zweiten Gang vom feinen Rauchgeschmack des Bündner Fleischs begleitet. Das Rote-Bete-Schaumsüppchen wird am Tisch auf dem Teller angegossen, was zu einem besonders frischen Geschmackserlebnis führt. Ein 2008er Gewürztraminer "Cuvée Prestige" von André Dock aus dem Elsass bringt feine Aromen von Rose, Lychee und Bitterorange mit.

Mineralischer Begleiter

Gebratener Escolar, auch bekannt als Buttermakrele oder Butterfisch, ist der Hauptdarsteller im dritten Gang. Das wunderbar feste aber saftige Fleisch ist ein Vergnügen, perfekt von Hafner zubereitet mit viel Verständnis für Garzeiten und eine anschließende Ruhephase für das Produkt. Ein 2009er Grüner Veltliner vom Weingut Höpler aus Breitenbrunn in Österreich ist ein feinwürziger, mineralischer Begleiter zum Fischgang.

Ein wunderbar festliches Bratenstück gibt es als Hauptgang. Das feine, mürbe geschmorte Schaufelstück vom US-Beef wird in einer mit Wurzelgemüse aromatisierten Schaumbutter und elegantem Trüffelpüree serviert. Zum dunklen Fleisch ein dunkler Wein aus dem Burgenland: Der im Barrique ausgebaute 2008er Zweigelt vom Weingut Heinrich ist ein eher leichter Vertreter seiner Gattung. Mit seinem Kirscharoma ist er eine exzellente Ergänzung zum Braten.

Beim Dessert wird es etwas weihnachtlich. Da kombiniert Felix Hafner den Klassiker Crème Brûlée von der Tonkabohne mit einem kalten Glühweingranité. Zu diesem festlichen Abschluss hat auch Restaurantleiter André Krüger noch einen besonders feinen Tropfen auf Lager, einen zehn Jahre alten Portwein "Taylors Port Tawny" mit Noten von Nüssen, Dörrobst und Karamell.