Film: Twilight-Bis(s) zum Ende der Nacht, Teil 1

Bis(s) zur Entbindung

| Lesedauer: 3 Minuten
Peter Zander

Wird sie oder wird sie nicht? Selten war ein Film so eindeutig und so eindimensional darauf ausgerichtet, ob seine Protagonistin defloriert wird. Das ist umso merkwürdiger, als wir es hier mit einer Vampirsaga zu tun haben.

Da wird das Thema ja gewöhnlich anders verarbeitet. Natürlich geht es auch da immer um weibliche Unschuld, um deren Verlust - und die Angst davor. Das aber durfte man, in den prüden viktorianischen Zeiten, in denen der Ur-Stoff aller Vampirepen, Bram Stokers Roman "Dracula", entstand, so nicht thematisieren. Weshalb man eben auf die Metapher mit den phallischen Zähnen und dem Biss in den Hals kam.

In heutigen Zeiten sind selbst erzkonservative Vampire etwas weltoffener. Bei "Twilight" geht es deshalb gleich um eine doppelte Defloration: Die irdische Bella (Kirsten Stewart) will sich ja durchaus auch sexuell mit ihrem geliebten Vampir (Robert Pattinson) vereinen; um aber ewig mit ihm zusammen zu sein, muss sie zu seinesgleichen werden. Wird sie das nun oder wird sie es nicht?

Die Antwort ist ein klassisches "Ja, aber". Ja, Bella und Edward vereinen sich. Dazu müssen sie, so will es das mormonische Weltbild der Vorlagenautorin Stephenie Meyers, erst einmal heiraten. Drei Filme lang hat man darauf gewartet, jetzt stehen sie wirklich vor dem Traualtar. Sie heiraten eine geschlagene halbe Stunde lang. Seit "Der Pate" ist der geschulte Cineast es gewohnt, dass bei solch ausufernden Hochzeitssequenzen etwas passieren muss, etwas Schlimmes. Tut es aber nicht. Auch danach geht es in Flitterwochen, die man kitschiger und blumiger nicht ausmalen könnte. Hier werden Teenieträume ungebrochen auf Zelluloid gebannt. "Twilight", ein Lore-Roman. Und ja, nach einer ziemlich zähen Dreiviertelstunde schlafen die beiden miteinander. Sie tun das indes so züchtig, dass Misses Meyers wohl nichts zu beanstanden hat und der Film eigentlich ab sechs Jahren freigegeben werden können. Aber, aber, aber: Die entscheidende zweite Defloration, sie fällt erst mal aus.

Denn es gibt eine neue Verzögerung: Die Irdische wird schwanger. Gleich beim ersten Mal! Das weiß sie schon nach wenigen Tagen, und nach zwei Wochen wölbt sich bereits der Bauch. Wer sagt, dass Monster sich an den Neun-Monats-Zyklus halten! Die Frage ist nur, man kennt das aus der "Alien"-Serie, ob die Mutter die Brut in ihrem Bauch überleben wird.

Das ist, im Groben, schon die ganze Handlung des vierten "Twilight"-Film. Wie bei "Harry Potter" hat man die letzte Buchvorlage in zwei Hälften aufgeteilt, um die Kuh, bevor sie endgültig vom Eis ist, noch gehörig melken zu können. Daher die nicht enden wollenden Kitschorgien, die aufgeblasenen Strandposteridyllen. Als dann wirklich etwas passiert, sind wir auch schon am Ende - Cliffhanger! - und dürfen ein Jahr warten, bis der letzte Teil ins Kino kommt. Das Ganze ist aber so langatmig, dass man sich noch im Kino fragt, ob eigentlich auch Vampire dritte Zähne haben können. Denn an einem fehlt es diesem Film ganz offensichtlich: ausgerechnet am titelgebenden Bis(s).

Fantasy: USA 2011, 108 Min., von Bill Condon, mit Robert Pattinson, Kristen Stewart, Taylor Lautner

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