Bühnencheck

Reich heiraten, reich erben

Seit elf Jahren heißt das Erfolgsrezept des Berliner Kriminal Theaters Hochspannung und Nervenkitzel. Heimstatt dafür ist eine Traum-Location: Ein ehemaliges Umspannwerk mit großer Cinemascope-Bühne, formidablem Zuschauerraum und einem Restaurant. Hierher kommt man gern, um sich bei Mord und Totschlag zu amüsieren.

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich immer wieder die Krimikomödien wie Saul O'Haras listige Verbrecherjagd "Inspektor Campbells letzter Fall".

Hinter dem vermeintlich irischen Autor steckt der Dramatiker Peter Hacks. Als DDR-Bürger hatte er in den Sechzigern keine Chance, seine Stücke auf bundesdeutsche Bühnen zu bringen. Also ersann er ein Pseudonym und die skurrile Krimi-Persiflage wurde das meistgespielte Stück der Spielzeit 1963/64 in der Bundesrepublik.

Das Stück stand schon lange auf dem Wunschplan der Regisseure Wolfgang Rumpf und Matti Wien. Man spürt sofort warum. Allein Manfred Bitterlichs herrliche Ausstattung ist schon einen Besuch wert. Very british und hübsch altmodisch in Altrosa. Es wird an keiner Ecke mit Rüschen gespart. Die Damen tragen federgeschmückte Riesenhüte, mit denen sie glatt der Queen beim legendären Pferderennen in Ascot die Schau stehlen könnten.

Doch wir befinden uns im eleganten Seebad Brighton und das kitschige Idyll täuscht gewaltig, denn Inspektor Campbell (Manfred Borges) will kurz vor seiner Pensionierung noch zwei gewiefte Gattenmörder hinter Gitter bringen: Lydia Barbent (Vera Müller) und Oberst John Brocklesby (Peter Groeger), die jeweils sechs reiche Ehepartner auf recht merkwürdige Weise unter die Erde gebracht haben. Campbell macht die beiden miteinander bekannt und der Köder, mit nur einem Mord das Vermögen um einen Schlag zu versechsfachen, verfehlt seinen Reiz nicht. Als frischgebackenes Ehepaar gehen sich die beiden nämlich fortan mit allen Finessen gegenseitig an den Kragen. Verschrobene Figuren, rabenschwarzer Humor und ironische Doppelbödigkeit auf feinstem Niveau unterhalten so famos, dass man sogar den Mördern ein glückliches, langes Leben wünschen möchte.

Berliner Kriminal Theater Palisadenstraße 48, Friedrichshain, Tel. 47 99 74 88, Voraufführungen 11. & 12. 10., 20 Uhr, Premiere 13. 10. um 20 Uhr, weitere Termine: 14., 20., 22. 10., 4., 23. 11., 20 Uhr, 16. 10., 18 Uhr