Film: Wunderkinder

Freundschaft in Zeiten des Krieges

Eine Geschichte aus der Ukraine des Jahres 1941, aus den Monaten vor und nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, eine Geschichte von Kinderfreundschaft und Solidarität in Zeiten der Diktatur und des Krieges, so könnte man "Wunderkinder" von Marcus O. Rosenmüller annoncieren.

Mit diesem Film setzt Artur Brauner, von dem die Idee stammt und der mit seiner Tochter produziert hat, eine Linie seiner CCC-Film fort.

Kein Produzent in Deutschland hat so anhaltend Filme über den Holocaust und die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg produziert und initiiert wie Artur Brauner. Seit "Morituri" (1948) hat er daran festgehalten, dass Film diese Geschichte auf eine Weise erzählen kann, die ein großes Publikum zu erreichen vermag und dazu beitragen kann, dass die Erinnerung an den Völkermord nicht erlöscht. Immer wieder ist er zu diesem Thema zurückgekehrt, mit Falk Harnacks "Der 20. Juli" (1955), mit Vittorio de Sicas "Der Garten der Finzi Contini". In den achtziger Jahren ist die Folge dichter geworden. Bemerkenswerte Filme sind darunter, Michael Verhoevens "Die weiße Rose", Jaques Rouffios "Die "Spaziergängerin von Sanssouci", Agnieska Hollands "Hitlerjunge Salomon".

Es gibt viele Filme über den Zweiten Weltkrieg, die die Erinnerung an die Ermordung der europäischen Juden wach halten wollen, aber ästhetisch misslungen sind. Letztlich ist auch "Wunderkinder", eine Geschichte von der Freundschaft dreier hochmusikalischer Kinder, die sich im Sommer 1941 in der Ukraine begegnen, ein Fall, in dem das Anliegen keine entsprechende Form gefunden hat. Woran das liegt? Nicht an der Entscheidung, die Geschichte der jüdischen Wunderkinder Abrasha und Larissa, die Entwicklung ihrer Freundschaft zu Hanna, einer musikalisch begabten Deutschen, in den Mittelpunkt zu stellen. Dass der beginnende Krieg, dass die Deportierungen von Juden aus Sicht der Kindern geschildert werden, ist konsequent. Wenn die guten Darsteller nur nicht diese Drehbuchsätze sagen müssten, die eine falsche Naivität pflegen.

Schon die Hilfe, mit der sich die jüdischen und die deutschen Familien nach dem Überfall auf die Sowjetunion beistehen, ist unglaubwürdig. Es ist nicht der Sadismus des SS-Standartenführers (Konstantin Wecker), der falsche Töne in den Film bringt. Die kommen durch die Konstruktion. Die Glaubwürdigkeit, welche Genauigkeit erfordert, wird der Absicht geopfert. Der Film, in dem Musik eine so große Bedeutung hat - die Rolle Abrashas wurde mit dem 14-jährigen Elin Kolev besetzt, dessen Karriere als Violinist ihn selbst als Ausnahmetalent ausweist - hat andere falsche Töne. Bei der Sprache fängt es an: Man spricht deutsch in diesem Film, ukrainische Worte hört man nicht, auch nicht russische oder jiddische. Keine Sprachdifferenz, kein Unterschied von Erziehung und Kultur, die zu verstehen, zu überwinden wären. Dazu passt das Aufgeräumte der Schauplätze. Die Panzer der Wehrmacht sollen Tausende von Kilometern zurückgelegt haben und sehen aus, als kämen sie frisch aus der Waschstraße.

Drama: D 2011, von Marcus O. Rosenmüller, mit Mathilda Adamik, Elin Kolev, Imogen Burrell

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