Film

Erstaunlich furchteinflößendes Remake: "Fright Night"

Es ist ein allmorgendliches High-School-Ritual. Die Lehrerin steht zu Beginn der Stunde vor der Klasse und verliest die Namen ihrer Schüler, die daraufhin ihre Anwesenheit bestätigen. Doch seit einiger Zeit bleiben mehr und mehr Stühle frei. Nach jedem Wochenende ist die Klasse wieder ein wenig leerer.

Der Lehrerin fällt das gar nicht weiter auf. Schließlich ziehen ständig Familien wieder weg aus dieser tristen Vorstadt von Las Vegas. Auf Dauer möchte hier niemand leben.

Doch es gibt noch eine andere - längst nicht so harmlose - Erklärung für das Verschwinden all der Teenager in "Fright Night", Craig Gillespies Remake von Tom Hollands makabrer Horrorkomödie "Die rabenschwarze Nacht" von 1986. Davon ist zumindest Ed überzeugt, ein etwas seltsamer Jugendlicher, der es als Außenseiter schon schwer genug hat.

Also bedrängt er seinen einstmals besten Freund Charley (Anton Yelchin), der mittlerweile dank seiner Freundin Amy (Imogen Poots) zur coolsten Clique der Schule gehört. Er soll ihm helfen, zu beweisen, dass der gerade erst in die Siedlung gezogene Jerry (Colin Farrell) ein Vampir ist. Doch das will Charley eigentlich nicht glauben. Schließlich wohnt Jerry direkt nebenan und ist nicht nur ihm, sondern auch seiner Mutter Jane (Toni Collette) sympathisch.

Neuauflagen berühmter Stoffe und Remakes mehr oder weniger bekannter Filme prägen seit Jahren den Ausstoß der Traumfabrik. Niemand in Hollywood scheint noch an das Gedächtnis des Publikums oder ein grundsätzliches Interesse für ältere Produktionen zu glauben. Daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Und im Horrorkino ist dieser Hang zum filmischen Recycling noch ausgeprägter. Die Gespenster der Vergangenheit kommen wieder, und die Monster sind nun einmal nicht tot zu kriegen. Doch gelegentlich eröffnet dieser Rückgriff aufs Altbekannte neue Perspektiven.

In der Ära der "Twilight"-Filme und der Vampire aus Fernsehserien wie "True Blood" und "Vampire Diaries" setzen Craig Gillespie und sein Drehbuchautor Marti Noxon, der die komödiantischen Elemente des Originals auf ein Minimum reduziert hat, einen deutlichen Kontrapunkt. Colin Farrells Jerry hat nichts Romantisches an sich, auch nichts tragisch Gequältes. In seiner menschlichen Form strahlt er eine virile Männlichkeit aus, die zwar ihren Reiz hat, unter deren Oberfläche aber eine bedrohliche Aggressivität und eine mehr als nur latente Misogynie schlummern. In seiner Vampirgestalt ist er nichts als ein Monster und erstaunlich furchteinflößend.

Mit seiner düsteren, ins Nachtschwarze drängenden 3D-Ästhetik inszeniert Craig Gillespie den Schrecken, der unter der Fassade der Normalität lauert. Das Monster hat ein ideales Heim in der gesichtslosen Vorstadt gefunden, in der die Erwachsenen, die nur zum Schlafen weilen, an sich schon etwas von Untoten haben.

Die Mordlust und die Grausamkeit des Vampirs bringen den zerstörerischen Kern einer kalten, von ständigem Konkurrenzdenken und einem fundamentalen Hass auf alle Schwachen geprägten Welt ans Licht. Insofern ist selbst der von David Tennant gespielte Illusionist und Showman Peter Vincent, an den sich Charley in seiner Not wendet, auch ein Double des Vampirs. Das Böse kommt eben nicht nur von Außen, es nistet in allen.

Horrorkomödie: Indien/USA 2011, 106 Min., von Craig Gillespie, mit Colin Farrell, Anton Yelchin, Toni Collette

+++--