Bühnencheck

Im Yma-Wunderland

Ein Theater zu haben, das nicht nur über 1895 Plätze verfügt, sondern auch eine der größten Showbühnen der Welt allabendlich mit Leben zu füllen hat, ist ein Schatz für Berlin, aber in krisenanfälligen Zeiten wie den unseren auch eine große Verantwortung

. Der ist Berndt Schmidt, seit 2007 Intendant des Friedrichstadtpalastes, ganz offensichtlich gerecht geworden. Er hat das Riesenhaus mit Weitblick und Managementgeschick aus den roten Zahlen geholt. Und er hat es mit der aktuellen Show "Yma" geschafft, in einem Jahr Spielzeit mehr als eine halbe Million Besucher anziehen. Mit einem aufwendig inszenierten Revuezauber, der internationalen Standards mehr als gerecht wird.

"Get The Party Started" lautet die Parole, die gleich zu Beginn ausgegeben wird. Das Publikum wird in ein quietschbuntes Wunderland der Illusion entführt, in dem die geheimnisvolle Entertainerin Yma regiert, eine extravagante Glamour-Diva, gespielt von einem Mann - dem Sänger und Tänzer Andreas Renee Svoboda. Mehr als 100 Sänger, Tänzer, Musiker und Artisten machen dieses rund acht Millionen Euro teuere Spektakel zu einem Fest für Augen und Ohren. Großartige Artisten machen atemlos in luftiger Höhe, eine gewaltige Verstärkeranlage wummert zum Sound der Berghain-Stars Tiefschwarz, das basslastige Trumm wird vom ukrainischen U-Show-Team waghalsig bestiegen. 32 Ballettdamen, die von Stardesigner Michael Michalsky ausstaffiert wurden, kommen mehrfach opulent zum Einsatz, verschwinden auch mal im überdimensionierten Wasserbassin. Es gibt prächtigen Kostümwahnsinn und rasante Tanztableaus. Ja, sogar ein zünftiger Männerstrip hinter Glas wird geboten. Immer ist etwas los, immer neue Reize bestürmen die Besucher.

Mit "Yma" ist dem Friedrichstadtpalast gelungen, es nahezu jedem recht zu machen. Hier wird generationsübergreifend und in bester (jugendfreier) Las-Vegas-Manier unterhalten. Und das noch bis zum 5. November, dann muss "Yma" erst einmal den Vorbereitungen für die neue, große Weihnachtsrevue weichen. "Berlin erleuchtet - die herzerwärmende Weihnachtsshow" geht am 18. November in die Voraufführungen, Premiere ist am 24. November, gespielt wird bis zum 26. Dezember. Und natürlich wird auch in dieser Wir-warten-aufs-Christkind-Show an Aufwand nicht gespart - zum Finale versinkt der Friedrichstadtpalast Abend für Abend im prustendem Schneegestöber.

Friedrichstadtpalast Friedrichstraße 101, Mitte, Tel. 23 26 23 26, Di.,Do., Fr. 19.30 Uhr, Sbd. 15.30 Uhr und 19.30 Uhr, So. 18 Uhr, Mo./Mi. keine Vorstellungen.