Film: Auf der Suche

Verlorene in der Herbstsonne von Marseille

Ein Mann verschwindet. Ein junger Arzt, ein Sohn, ein Freund, aber wer er eigentlich war, können weder seine Mutter noch sein Ex-Geliebter mit Sicherheit sagen. Zu zweit, wenn auch nicht wirklich gemeinsam, machen sich Valerie (Corinna Harfouch) und Jens (Nico Rogner) auf die Spurensuche nach Simon, jenem jungen Mann, der aus Deutschland ins südfranzösische Marseilles ausgewandert ist und sich nun scheinbar völlig in Luft aufgelöst hat.

Obwohl sie bis heute mit der sexuellen Orientierung ihres Sohnes hadert, weiß sich Valerie keinen anderen Rat, als dessen Ex um Hilfe zu bitten. Sie kennen sich kaum, interessieren sich noch weniger füreinander, nur die Suche vereint sie. Warum sie sich so wenig zu sagen haben, ist lange unklar. Sie konkurrieren darum, wer Simon besser kannte, und müssen sich im Laufe der Recherche eingestehen, dass sie vieles nicht wussten. Der Sportwagen, mit dem er durch Afrika fahren wollte, die Geliebte, die er hatte, oder die Beruhigungsmittel, die er genommen hat. Wer ist oder wer war Simon eigentlich? Erst nach und nach raufen sich die beiden zusammen, lernen neue Seiten des Verschwundenen und schließlich auch an sich selbst kennen. Doch letztlich bleiben mehr Fragen als Antworten.

Der Berliner Regisseur Jan Krüger lässt zwei Generationen aufeinander krachen, mit unterschiedlichen Zielen und Lebensentwürfen, durch die eine Spannung zwischen den beiden entsteht, und verweigert dabei doch, wie schon in seinen beiden ersten Filmen "Unterwegs" und "Rückenwind", klassische Erzählmuster. Erst spät und sehr langsam kommt er in Fahrt. Simon, der verlorene Sohn, ist das Ziel und die Leerstelle, um die die beiden Protagonisten in der Fremde kreisen. Die herbstliche Hafenstadt zwischen Bergen und Meer, mit ihrer multikulturellen Bevölkerung und der Nähe zu Afrika, dem vor allem für Valerie unverständlichen Stimmengewirr spiegelt die Verlorenheit der Figuren, die Halt und Sinn suchen und nichts wirklich greifen können. Auch Jens' nächtliche Begegnungen mit Männern bleiben flüchtig.

Krügers Figuren sind in Bewegung, fragend, suchend, mit offenem Ausgang. Auch ein Verschwinden, sich Verlieren, ist möglich. Das ist eine Weile reizvoll zu beobachten, doch letztlich weiß dann der Film so wenig wie seine Figuren, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Einzig Corinna Harfouch hat ein klares Ziel vor Augen, wenn sie ihrer zwischen Kontrollzwang und frostigem Hochmut changierenden Figur Leben einhaucht.

Drama: F/D 2011, 88 Min., von Jan Krüger, mit Corinna Harfouch, Nico Rogner, Trystan Pütter, Mehdi Dehbi

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