Bühnencheck

Aquabellas Gespür für kalte Nächte

In kaum einem europäischen Land sind alte Mythen so lebendig wie in Island. Immerhin zehn Prozent der Inselbewohner glauben wahrhaftig an die Existenz von Trollen, Elfen und Gnomen.

In unseren Breiten wissen die wenigsten, was und wer hinter diesem Kult um das geheimnisumwitterte Völkchen steckt. Die vier Damen der Berliner A-cappella-Formation Aquabella gehören zu den Eingeweihten, besingen sie doch in ihrem Winterprogramm "Nordlichter" klanggewordene Sagen, in denen die isländische Riesin Gryla und ihre 13 Trollsöhne eine zentrale Rolle spielen. Sie treiben in den Nächten vom 12. bis 24. Dezember ihr Unwesen.

Vor ihrem Konzert in der Passionskirche feiern die Vokalvirtuosinnen im BKA Theater am Mehringdamm die Veröffentlichung ihrer schön gestalteten "Nordlichter"-CD (Jaro Medien GmbH). Dabei bleibt sich das Quartett als Weltmusik-Formation treu und singt auf sieben Sprachen: Neben deutschsprachigen Liedern mit eigenen Texten stehen Stücke aus Schweden, Finnland, Norwegen, Island, Russland und den Niederlanden auf dem Programm.

Außergewöhnlich sind die Arrangements der 16 Lieder, die Riesenmutter und Rabaukenbande regelrecht lebendig werden lassen. Die Fabelwesen sind im wahrsten Wortsinne t(r)olldreist: Sie stehlen, lärmen und benehmen sich in keinem Fall wohlerzogen. "Die Trolle haben schlechte Angewohnheiten, was sie für uns sehr sympathisch macht. Wir arbeiten viel mit Geräuschen, die wir mittels Kehle, Stimmbändern, Zunge und Zähnen hervorzaubern, was viel Spaß macht, weil man laut schmatzen und böse kichern darf. Aber natürlich singen wir auch lupenrein", sagt Bettina Stäbert.

Die Sängerin und ihre Kolleginnen Claudia Karduck, Heleen Joor und Berangère Palix haben sich mehrere Jahre mit den nordischen Mythen beschäftigt und ein besonderes Gespür für dunkle Winternächte entwickelt. Bettina Stäbert schwärmt: "Die Geschichten, die wir erzählen, sind familiär. Sie sind nah am Ursprung und passen in diese Jahreszeit, in der man es zuhause gemütlich macht. Dazu trägt die melancholische Grundstimmung der nordischen Musik bei. Wer die langen Nächte im hohen Norden erlebt hat, weiß: Das Leben verläuft dort langsamer."

BKA Theater Mehringdamm 34, Kreuzberg. Tel. 202 20 07, 9. und 10. November, 20 Uhr

Passionskirche Marheinekeplatz 1-3, Kreuzberg, Tel. 69 59 36 24, 18. November, 20 Uhr