Ausflugs-Tipp

Vorbei an den Weinbergen von Kreuzberg

Der Südstern mit seiner neugotischen Kirche ist Ausgangspunkt unseres Spaziergangs. Wir sind auf der Suche nach Spuren vergangener Weinanbautradition und verstorbener Prominenter. Es geht die Bergmannstraße entlang, die bis 1837 Weinbergsweg hieß.

Bereits 1831 wurde dort der Alte Luisenstädtische Friedhof (1.) auf einem unrentablen Weinberg angelegt. Franz Späth (1839-1913), Gründer der gleichnamigen Baumschule, und Reichskanzler Gustav Stresemann (1878-1929) fanden dort ihre letzte Ruhe. Nach einem Abstecher über den Friedhof führt unser Weg zum stets belebten Marheinekeplatz mit der Passionskirche. Das zwischen 1905 und 1908 erbaute neuromanische Gebäude zeichnet die Form eines griechischen Kreuzes nach. Der Kiez rund um die Bergmannstraße präsentiert sich als weitgehend erhaltenes Gründerzeit-Viertel mit Stuckfassaden, Einzelhandelsläden und Restaurants.

Wir gehen die Bergmannstraße weiter, überqueren den Mehringdamm und biegen links in die Methfesselstraße ab. Dort befand sich einst die Villenkolonie "Wilhelmshöhe". In den nicht mehr existierenden Häusern sieben und zehn entwickelte der Wissenschaftler Konrad Zuse den ersten Computer der Welt. Im heutigen Viktoriapark (2.) wurde im 15. Jahrhundert Wein angebaut, bis zur so genannten kleinen Eiszeit. Der Bezirk Kreuzberg belebte die Weinanbau-Tradition 1968 wieder und erntet seitdem etwa 800 Kilo Trauben pro Jahr für den Hauswein Kreuz-Neroberger.

Auf dem 66 Meter hohen ehemaligen Weinberg steht heute das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Nationaldenkmal im Stil einer gotischen Kirche. Es soll an die Befreiungskriege (1813-15) gegen Napoleon erinnern. Das Kreuz auf der Turmspitze gab dem Berg und später dem Bezirk seinen Namen.

Wir verlassen den Park an der Großbeerenstraße, laufen geradeaus zur Hagelberger Straße. Etwa in der Mitte der Straße befindet sich die Tabak-Manufaktur "Planta", schräg gegenüber der Durchgang zu Riehmers Hofgarten. Wir durchschlendern die denkmalgeschützte Wohnanlage, die Ende des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Riehmer entworfen wurde, gehen die Yorckstraße bis zur Kreuzung Mehringdamm entlang und biegen links ab. Nach etwa 150 Metern erreichen wir das Finanzamt Kreuzberg (3.). Die Fassade erinnert an ein mittelalterliches Kastell. Von 1853 an diente das Gebäude als Kaserne des königlichen Garde-Dragoner-Regiments. Unser Spaziergang endet gegenüber auf dem Friedhof der Jerusalemkirche, wo Adalbert von Chamisso, E.T.A. Hoffmann, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Karl von Siemens begraben sind.