Bühnencheck

Bei Tanja Ries bleibt alles anders

Tanja Ries passt einfach nicht ins Diven-Klischee. Gerade noch gesanglich entrückt in sanften Melodien und ungewöhnlichen Klanglandschaften, konterkariert ihre Art, wunderbar verrückte Geschichten zu erzählen, jede abgehobene Stimmung. Nicht nur deshalb wird sie gern "Antichanteuse" genannt.

Seit den Neunzigern als Ikone des "Neuen deutschen Chansons" gefeiert, fällt die 43-Jährige musikalisch komplett aus dem klassischen Chanson-Rahmen. Ihre Songs sind minimalistischer Avantgarde-Pop mit traumschönen Texten.

Heute adelt Tanja Ries die vor kurzem eröffnete Treptower Kleinkunstbühne Corbo mit der Premiere ihres neuen Programms "Ich möchte Töne". Mit dabei sind ihre langjährigen musikalischen Weggefährten Florian Grupp an den Tasten und Peter Erles am Cello. Eine demokratische Band mit ebensolchen Entscheidungen, wenn es um die Songauswahl geht. Das trifft vor allem auf die hervorgekramten älteren, nun neu arrangierten Songs zu wie "Dünne Zweige" oder "Läufer" zu. Zu hören sind da nun selten gespielte Tracks, die nie auf ein Album gebannt wurden. Aber auch die eine oder andere Coverversion von Lieblingsliedern ist im neuen Programm. So zum Beispiel von Kollegen wie Jan Koch oder Schwarz und Schmitz.

Natürlich gibt es auch neue Songs rund um das immerwährende Thema Liebe. "Ich schaffe es nicht, außerhalb von Liebe zu schreiben. Das Metier liegt mir einfach", saft Tanja Ries. "Das Dramenpotential nimmt allerdings ab. Man wird schließlich ruhiger, wenn man älter wird. Diesmal ist sogar ein positives Liebeslied dabei, was für mich außergewöhnlich ist", sagt sie.

Eine weitere Novität: Tanja Ries kommt höchstwahrscheinlich ohne ihr kleines weißes iBook, dem sie sonst immer schöne, fette beats entlockt hat. Die Sängerin will ein wenig weg von den elektronischen Sounds, sehr zur Freude ihrer Musiker, die ihre Instrumente mit Vorliebe auf ungewöhnliche Art nutzen und daher ohnehin schon für extraordinäre Klänge sorgen.

Noch überlegt Tanja Ries allerdings, ob sie nicht ihren ersten Drumcomputer oder ihren alten Weltempfänger für Rauschgeräusche mitbringt. Eines ist am Programm immerhin gewiss, so die Sängerin: "Es klingt puristisch und in jedem Fall nach mir."

Kleinkunstbühne Corbo Kiefholzstr. 1, Treptow, Tel. 53 60 40 01, Termine: 1. sowie 3.-5. November, 20.15 Uhr