Mein perfekter Sonntag

Und am Wochenende in den Bunker

Dieter Nuhr hat gehört, dass er durch regelmäßiges Joggen länger lebt. "Ich glaube aber, dass ich genau die Zeit mit dem Joggen vertue, die ich länger leben würde", zweifelt er ein bisschen. Vernunftbegabt wie er ist, joggt er dennoch zweimal pro Woche, obwohl er "die Rumlauferei für einen total autistischen Sport" hält und eigentlich lieber Tennis spielt, weil ihm diese Art Sport viel mehr Spaß macht.

Etwas gemächliche Laufarbeit wäre für ihn aber der gelungene Auftakt, um mit einem guten Gefühl in einen perfekten Sonntag zu starten - hätte sich der Kabarettist nicht einen Knieschaden zugezogen - natürlich beim Sport.

Entspannung auf dem Ausflugsschiff

Dieter Nuhr ist überzeugt: "Alles, was wehtut, kommt grundsätzlich durch zuviel Bewegung. Dabei ist es ohnehin nicht einfach, in Berlin zu joggen, ohne überfahren zu werden." Deshalb läuft er am liebsten am Charlottenburger Ufer an der Spree entlang. Vor allem mag er die Kulisse mit dem ehemaligen Heizkraftwerk. "Mit all seinen Kanälen und Flüssen hat Berlin ja bekanntlich mehr Brücken als Venedig. Glücklicherweise ohne die Gondolieri. Die würden die Stadt mit ihrem schmalzigen Gesang lärmtechnisch dann doch etwas verseuchen", sagt er und setzt sein charmantes Grinsen auf.

Statt einer wackligen venezianischen Gondola bevorzugt Dieter Nuhr das schicke Ausflugsschiff MS Brasil der Stern- und Kreisschifffahrt . Er mag Bootstouren wegen ihrer entspannten Atmosphäre und war dieses Jahr schon mit dem Ausflugsdampfer in Potsdam und auf dem Wannsee. Die Tour von der Charlottenburger Schlossbrücke durch Landwehrkanal und Spree bis zur Jannowitzbrücke hat er schon einmal mit seiner Tochter unternommen. Für ihn ein echtes Sonntagsschmankerl, um in aller Ruhe durch die Stadt zu tuckern, vom eigenen Boot zu träumen und an den Ufern der Spree Neues zu entdecken. "Dazu muss es ein schwarzer Kaffee wie bei Muttern sein, der so ein bisschen abgestanden schmeckt", sagt er, während er sich seinen Kaffee bestellt. Gibt aber nach dem ersten Schluck zu: "Der Kaffee ist echt okay!"

Die Sehenswürdigkeiten entlang des Ufers fest im Blick, befindet der Düsseldorfer mit Zweitwohnsitz in Charlottenburg: "Berlin ist ein schöner Ort. Selbst, wenn man seit zwanzig Jahren hier lebt, fühlt man sich hier immer wieder wie ein Tourist." Eigentlich langweilt sich Dieter Nuhr am liebsten auf Bootstouren. Aber diesmal schafft er es nicht, wie er erstaunt feststellen muss: "Der dampfplaudernde Berliner Moderator kennt jede Schraube auf dem Weg. Ich bin froh, dass er sich nicht die Mühe macht, das ganze noch ins Englische zu übersetzen." Beim Verlassen der MS Brasil an der Friedrichstraße ruft der nette Moderator noch schnell: "Auf Wiedersehen, Herr Nuhr!" Daraufhin echot es auf dem vollbesetzten Sonnendeck aus allen Ecken: "Tschüss Dieter!" Der grinst und winkt fröhlich zurück. Eben einfach sympathisch. Ohnehin ist der Star-Kabarettist trotz seiner Bühnenerfolge und der aktuellen blendenden Quoten als Gastgeber des "Satiregipfels", der demnächst vom Studio ins Friedrichshainer Radialsystem V zieht, auf dem Boden geblieben. Beweis dafür ist allein schon der Standort seiner zahlreichen Preise und Auszeichnungen: "Die stehen alle schön aufgereiht auf dem Gästeklo!"

Kunstgenuss im Boros-Bunker

In Mitte geht es zum Bunker Berlin an der Reinhardstraße 20, dem spektakulären Ausstellungsort der Sammlung Boros , die der studierte Kunstpädagoge Dieter Nuhr sehr schätzt. "Ich gehe gern ins Museum und lasse da wenig aus. So etwas wie bei Christian Boros habe ich aber noch nie gesehen. Ich finde es ausgesprochen gut, dass jemand eine so imposante Privatsammlung hat und sie in eigenen Räumen der Öffentlichkeit zugänglich macht. Hier wird Kunstgeschichte nicht abgehakt, sondern mit einer ganz subjektiven Sicht der Dinge gezeigt."

Besonders gefallen dem 51-jährigen Nuhr die Objekte des dänischen Künstlers Olafur Eliasson, die sich oftmals mit physikalischen Phänomenen beschäftigen oder einfach nur fantastisch anzusehen sind wie "Berlin Colour Sphere" aus dem Jahr 2006, einem riesigen, kunstvollen Kronleuchter aus bunten Glasscherben, der ein Licht wirft wie sonst nur Kirchenfenster. Aber auch das Gebäude selbst mit seinen immer wieder überraschenden Durchblicken hat es Dieter Nuhr angetan: "Was für eine ungeheure Idee, dass die Sammler Christian und Karen Boros dafür extra diesen Bunker aufgesägt haben. Einerseits wirken manche Räume wie normale museale White Cubes, andererseits ist die Grobheit eines Bunkers spürbar, was dem Ganzen eine einzigartige Atmosphäre gibt."

Um die vielfältigen Eindrücke und Erlebnisse des Tages noch einmal Revue passieren zu lassen, nimmt Dieter Nuhr gern noch einen Absacker im Brel am Savignyplatz . Er mag das jazzige Bistro-Ambiente der 50er-Jahre zu jeder Tageszeit, favorisiert aber die vorgerückte späte Stunde: "Das Frühstück ist natürlich auch super. Aber abends spielt ein Pianist Songs wie ,Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt'. Das ist zwar Geschmacksache, aber mit einem Gin Tonic in der Hand eine angenehme Zeitreise."

"Berlin hat zwar mehr Brücken als Venedig, aber zum Glück keine Gondolieri"

Dieter Nuhr, Kabarettist