Kleine Entdeckungen

Familiensiedlung am Waisenhaus

An der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg sehen fast alle Wohnhäuser gleich aus. Die Siedlung moderner Reihenhäuser ist 2004 entstanden, in Dunkelrot, Schwarz und Weiß. Starke, auffällige Farben. Einzige Ausnahme bilden die beiden unter Denkmalschutz stehenden Backsteinhäuser, an denen die Spaziergänger auf der Promenade vorbeilaufen.

Die gelben Klinkerbauten sind Reste des letzten großen Berliner Waisenhauses, des "Friedrichs-Waisenhauses", wo zwischen 1859 und 1953 bis zu 500 Jungen und Mädchen untergebracht waren. Die gesamte Anlage bestand aus je vier Knaben- und Mädchenhäusern, einem Lazarett mit zentraler Koch- und Waschküche, einem Wirtschaftsgebäude, einer Gärtnerei, einem Badeschiff für die Mädchen und einer Badestelle für die Jungen. Wer dort weiterschlendert, trifft auf ein anderes Relikt. Linkerhand, inmitten der eintönigen Idylle der Familienhäuser, ragt der Wachturm eines früheren Arbeitslagers in die Höhe. Dort wurden junge und alte, verhaltensauffällige und rebellische Menschen nach preußischem Gesetz ab 1878 zwangserzogen. Die modernen Reihenhäuser mögen noch so einfallslos aussehen, aber gewiss leben dort nun glücklichere Menschen.