Berliner Perlen

Kollektion Kitschfrei

Man kennt das: Der Retsina-Wein, dessen Aroma man in Griechenland interessant fand, verwandelt sich am heimischen Esstisch in ein beinahe ungenießbares Gesöff. Auch die urigen holzgeschnitzten Salz- und Pfeffermühlen aus dem Riesengebirge und die bunten Tücher aus Marokko können das Urlaubsgefühl zuhause nur unvollkommen wieder herstellen. Und so entpuppen sich Urlaubsmitbringsel nach wenigen Wochen meist als das was sie auch sind: Ein Fremdkörper.

Berlin-Touristen ergeht es auch nicht anders, da ist sich Ulf Teichert sicher. Vermutlich verschwinden jede Menge Tassen mit Fernsehturm-Aufdrucken und Schilder mit der Aufschrift "You are leaving the American Sector West Berlin" ganz schnell in Schränken und Kellern, sobald sie ihr neues Zuhause in Schwetzigen oder Southampton erreicht haben. Seit Juni verkauft Ulf Teichert in seinem "B.o.B. Store" Souvenirs mit Anspruch an Qualität und Design. "Berlin ist eine kreative Stadt, in der viele Künstler leben. Trotzdem ist es ungeheuer schwer, Originelles und Schönes zu finden, das wirklich hier hergestellt wurde", sagt er.

Futuristische Kugelschreiber

Die Abkürzung B.o.B. steht für "Best of Berlin". Der Laden in der Oranienburger Straße präsentiert bunte iPad-Taschen aus Filz, Teelichter aus filigranem Porzellan, futuristische Kugelschreiber, feine Marmeladen und Schokoladen, aber auch Whisky und Gin aus heimischer Produktion. Es sind Dinge an denen man sich erfreuen soll, weil sie schön, funktional oder lecker sind - und aus Berlin kommen. Lediglich die Bilder mit Mauermotiven und einige durchgestylte Postkarten gehen dabei als typische Andenken durch. Die zahlreichen zugezogenen Berliner, die regelmäßig in ihre Heimat zurückkehren, möchte Ulf Teichert mit seinem Sortiment ebenfalls ansprechen. Und natürlich Berliner, die Freunde und Verwandte besuchen, und etwas typisch Regionales im Gepäck haben wollen.

"Der Markt ist riesig", sagt der Ladeninhaber. Schon jetzt ist das Geschäft nachmittags sehr gut besucht. Überall verschiedene Sprachen und Dialekte. Verkaufsschlager bei jungen Touristen sind die Taschen des Labels "tausche" aus Prenzlauer Berg. Die Klappen der Fahrradkuriertaschen lassen sich mit Hilfe eines Reißverschlusses kurzerhand austauschen. Die Kunden können unter Hunderten von Kombinationsmöglichkeiten wählen. Das sieht jung und städtisch aus.

Neben den Produkten hängen ausführliche Beschreibungen. Man erfährt, dass hinter dem Modeschmuck-Label "SupaRina" eine Dame namens Marina Neumann steckt. Die Kommunikationsdesignerin und Mutter stellt den Schmuck mit einer Laserschneidemaschine her. Zu lesen ist auch, dass Produkte des Design-Teams "Adam & Harborth" im Museumsshop des New Yorker Museum of Modern Art erhältlich sind und dass Erich Hamanns "Bittere Schokoladen" bereits in dritter Generation hergestellt werden.

Über den Warenregalen schweben großformatige Fotos, welche die Hersteller bei ihrem Handwerk zeigen. Sie sitzen zwischen frisch getöpferten Waren, stehen im Labor oder sind an der Werkbank in ihre Arbeit vertieft. "Die Fotos mussten sein. Sie haben so viel gekostet, dass andere Geschäftsleute nur den Kopf geschüttelt haben", sagt Ulf Teichert. "Ich möchte die Produkte aber nicht nur verkaufen, sondern auch ihre Geschichte erzählen. So verrät der Laden auch, wer ich bin und woher ich komme."

25 Jahre lang war Teichert Journalist. Mit seinen Texten und den Bildern über Handwerk und Manufaktur lässt er seinen alten Beruf im neuen Leben als Geschäftsmann fortbestehen. "Ich wollte schon lange raus aus dem Journalismus. Zu viel hat sich zum Negativen verändert", sagt Teichert, der bei "Super-Illu" und beim Gong-Verlag tätig war. "Was mir aber zum Ausstieg zunächst fehlte, war eine zündende Idee." Erst erwog er, mit einem Freund einen Laden zu eröffnen, in dem die schönsten Dinge aus Deutschland präsentiert werden. Später schränkte er die Auswahl auf Produkte von Berliner Manufakturen ein. Als sein Geschäftskonzept fertig war, wusste er, dass er die Liköre und Schnäpse der "Preußischen Spirituosen Manufaktur" und die Krawatten von "Edsor" verkaufen wollte. Mehr nicht. Während er gemeinsam mit Branchenkennern einen Business-Plan erarbeitete und sich um die Finanzierung kümmerte, entdeckte er unter anderem die Uhren von "Askanier" und die Brotaufstriche der Manufaktur "von Blythen". Sie fanden ebenfalls sofort Aufnahme in sein Sortiment.

Nichts ist "Made in China"

Mittlerweile sind Ulf Teichert und sein Konzept in der Berliner Designerszene bekannt. Ihm werden regelmäßig neue Produkte vorgeschlagen, das Angebot im Laden wächst ständig. Bei einigen Produkten musste er mit jedoch lange mit sich ringen, ob er sie präsentieren und verkaufen möchte. "Wir haben auch Kaffee aus einer Berliner Rösterei im Angebot. Dass Kaffee nicht in Deutschland wächst, weiß natürlich jeder", sagt Ulf Teichert. Auch einige Holzprodukte werden im Schwarzwald gedrechselt, weil sich kein Betrieb in Berlin fand. "Mindestens 60 Prozent der Wertschöpfungskette muss aber in Berlin stattfinden, da mache ich keine Kompromisse", sagt der Ladeninhaber. 'Made in China' ist hier wirklich nichts."

B.o.B. Store "Best of Berlin" Oranienburger Straße 27, Mitte, Tel. 51 63 97 88, Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend 11-20 Uhr, Sonntag 13-18 Uhr