Kleine Entdeckungen

Schwermut am Rixdorfer Teich

Neukölln, Columbiadamm. Nicht das Bad, nicht die Moschee, nein: der Rixdorfer Teich. Er ruht drei Meter tief im südwestlichen Teil des Volksparks Hasenheide, nur zu erreichen über einen Holzsteg. Angelegt in den Jahren 1990/91 für damals 1,3 Millionen D-Mark.

Besiedelt von Wasserpest und Seerosen, Blässhühnern und Grünfüßigen Teichhühnern und mindestens einer Kolbenente. Im Sommer war die Ruhe dahin, Frösche gaben ihre Konzerte, ragten aufgereiht wie die Orgelpfeifen halb aus dem Wasser und glotzen in den Himmel, und von oben schauten Spaziergänger zurück. Manchmal gibt es im Rixdorfer Teich - wie im Schlachtensee in Zehlendorf oder dem Lietzensee in Charlottenburg - sogar Schildkröten. "Das hängt immer davon ab, was der Bürger reinsetzt", sagt Rainer Sodeikat vom Grünflächenamt Neukölln, aber der letzte Winter habe nicht nur solche Populationen vernichtet. Auf dem Brückengeländer am Rixdorfer Teich ist zu lesen: "Große Worte zerfallen ungehört. Große Taten zerfallen im Staub." Vielleicht war es im Herbst, als diese Worte geschrieben wurden. Die Blätter fielen. Die Frösche verstummten. Die Schildkröten standen vor dem Aussterben. Da muss man ja schwermütig werden.