Mein perfekter Sonntag

Der Dschungelkönig von Kreuzberg

Sonntag ist Hängemattentag. Im Dschungelcamp sah man ihn tagaus, tagein in eben jenem Lünmeltuch liegen. "Eigentlich war dort jeden Tag Sonntag", erinnert sich Peer Kusmagk, amtierender Dschungelkönig der RTL-Sendung "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". Bis die neue Dschungelcamp-Staffel beginnt, trägt er symbolisch die Krone aus dem australischen Urwald.

"Ich habe sie auf der Rückreise verloren", sagt Peer Kusmagk. Inzwischen trägt er eher Hüte. Derzeit vor allem Zylinder. Einen schwarzen bekam er von Freundin Isabella "Bella" Recke vor der Abreise auf den fünften Kontinent geschenkt. Sie trägt ein rotes Pendant. Ob Sonn- oder Wochentag: Peer Kusmagk trifft man selten ohne Hut an. "Durch Hüte fühlt man sich beschützt", sagt Kusmagk.

Kisten und Kästchen vom Flohmarkt

Der gebürtige Kreuzberger lebt immer noch dort. Auch sein Restaurant "La Raclette" befinden sich unweit des Paul-Lincke-Ufers. "Sonntag ist für mich ein Familientag", erzählt Kusmagk. Früher habe er regelmäßig seine Eltern besucht. Seit seine Schwester aus Berlin weggezogen ist und er seine wenige freie Zeit mit seiner Freundin verbringt, ist das seltener geworden. Dennoch ist es für ihn wichtig, seine Eltern, die inzwischen in Buckow wohnen, zu besuchen. "Auf dem Weg dorthin ist die Alt-Buckower Dorfkirche: sehr hübsch", sagt Kusmagk, der als Kind auf dem benachbarten Dorfteich Schlittschuh gelaufen und sogar schon eingebrochen ist. Meist aber gönnt er sich am letzten Tag der Woche eine Auszeit von seinem Dasein als Schauspieler, TV-Moderator, Restaurantbetreiber und, wie er betont, Lebenskünstler. Vor kurzem ist er mit Freundin Bella in ein Kreuzberger Loft gezogen. "Sonntags sind wir faul, schlafen lange", sagt der 36-Jährige. Zum Sonntags-Outdoor-Programm gehört ein Besuch auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz . "Ich bin ein Fan von Kisten, egal ob groß oder klein, aus Holz oder Metall, für Wein oder alte Seifenkisten", sagt der Kreuzberger, der inzwischen hunderten Kisten sein eigen nennt und immer wieder neue Schätze findet. Die stapeln sich in seiner Wohnung, manche dekorative Box wird ins Restaurant ausgelagert.

Weil der vielbeschäftigte Berliner die sonntägliche Ruhe auf den Straßen mag, nutzt er den Nachmittag für einen Kiezspaziergang. Der beginnt häufig mit einem Besuch des nahegelegenen Feinkost-Cafés Die Schweizerei , eröffnet Anfang September von der ehemaligen Mitarbeiterin Marie Gamboni. Die gebürtige Lausannerin bietet dort Käse, Schokolade und Kaffee aus ihrer Heimat an.

Das Kind im Mann: Es lässt sich auch bei Peer Kusmagk nicht verstecken. Für seinen zweiwöchigen Ibiza-Urlaub mit Freundin Bella hat er sich eine Seifenblasenpistole gekauft. "Damit bin ich der Pool-König", sagt er. Sein Berliner Einsatzgebiet: der Spielplatz im Görlitzer Park unweit der Lohmühlenbrücke. "Ich bin ein Fan der breiten, wellenförmigen Rutsche", sagt er. "Das erinnert mich an meine Kindheit." Bewegung macht hungrig und Kaffee-Durst. Der Salon Sucré ist für Kusmagk ein idealer Ort für den Nachmittag. Zudem ein ungewöhnlicher: Eric Muller, ein französischer Konditor und Katia Barcellos, eine brasilianische Friseurin, haben gemeinsam ein Geschäft für Zucker- und Haarkunst geschaffen. "Ich mag zwar keinen Kuchen, aber ein pain au chocolat geht immer", sagt der Dschungelkönig, der nach dem Abitur anderthalb Jahre durch Frankreich gereist ist und mehrere Monate im Norden der "Grande Nation" gelebt hat. Von dort hat er auch die kulinarische Idee für sein Restaurant mitgebracht.

Abstecher zum Feuerwehr-Brunnen

Der sonntägliche Kiez-Spaziergang führt durch die Wiener Straße. Nach einem Schaufensterbummel bei der "Panama Hutgalerie", dem Geschäft, aus dem der schwarze und der rote Zylinder stammen, geht es weiter bis zum Mariannenplatz. Dort steht der vom Maler Kurt Mühlenhaupt entworfene, Anfang der 80er-Jahre aufgestellte Feuerwehrbrunnen. Kusmagk hat ein besonderes Verhältnis zu dem aus rosa Granit und Bronze gefertigten Monument mit achteckigem Bassin und drei überlebensgroßen Feuerwehrmännern. "Vor seinem Ruhestand war mein Vater auch Feuerwehrmann in Kreuzberg", sagt der Schauspieler, der bei Sonntagsspielen von Hertha BSC zusammen mit seinem Vater ins Olympiastadion geht. Dann nicht nur mit Hut, sondern auch mit blau-weißem Schal.

Zeit für Kino- und Theaterbesuche findet Peer Kusmagk vornehmlich in der Woche. Am Sonntag hingegen wird er selber an der Leinwand kreativ. "Bella ist ja Fotografin und Künstlerin, wir inspirieren uns gegenseitig und so verbringen wir den Sonntagabend oft damit, dass wir zuhause Collagen kreieren", erzählt er. Beim Kochen wechselt sich das Paar ab. "Sie kocht gut indisch, ich bin für die französische Landhausküche zuständig oder für typisch deutsche Gerichte wie Königsberger Klopse oder Senf-Eier", sagt er und gibt so Einblick in die häusliche Zweisamkeit.

Wenn sonntags außer Haus gegessen wird, dann im eigenen Restaurant, dem La Raclette. Den Kamin dort hat Kusmagk einbauen lassen. Gerade in den dunklen Jahreszeiten scharen sich die Gäste gern um das Feuer. Ein Dschungelkönig mag es eben auch mal romantisch.

"Ich mag zwar keinen Kuchen, aber ein pain au chocolat geht immer"

Peer Kusmagk, Multitalent